Lesejahr C: 2018/2019

Evangelium Passion (Lk 22,14-23,56)

Das Mahl: 22,14–23

14Als die Stunde gekommen war, legte er sich mit den Aposteln zu Tisch.

15Und er sagte zu ihnen: Mit großer Sehnsucht habe ich danach verlangt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen.

16Denn ich sage euch: Ich werde es nicht mehr essen, bis es seine Erfüllung findet im Reich Gottes.

17Und er nahm einen Kelch, sprach das Dankgebet und sagte: Nehmt diesen und teilt ihn untereinander!

18Denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt.

19Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach es und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!

20Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.

21Doch siehe, die Hand dessen, der mich ausliefert, ist mit mir am Tisch.

22Der Menschensohn muss zwar den Weg gehen, der ihm bestimmt ist. Aber weh dem Menschen, durch den er ausgeliefert wird!

23Da fragte einer den andern, wer von ihnen das wohl sei, der dies tun werde.

Vom Dienen und Herrschen: 22,24–30

24Es entstand unter ihnen ein Streit darüber, wer von ihnen wohl der Größte sei.

25Da sagte Jesus zu ihnen: Die Könige herrschen über ihre Völker und die Vollmacht über sie haben, lassen sich Wohltäter nennen.

26Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Jüngste und der Führende soll werden wie der Dienende.

27Denn wer ist größer: Der bei Tisch sitzt oder der bedient? Ist es nicht der, der bei Tisch sitzt? Ich aber bin unter euch wie der, der bedient.

28Ihr aber habt in meinen Prüfungen bei mir ausgeharrt.

29Darum vermache ich euch das Reich, wie es mein Vater mir vermacht hat:

30Ihr sollt in meinem Reich an meinem Tisch essen und trinken und ihr sollt auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.

Die Ankündigung der Verleugnung: 22,31–34

31Simon, Simon, siehe, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf.

32Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du wieder umgekehrt bist, dann stärke deine Brüder!

33Darauf sagte Petrus zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.

34Jesus aber sagte: Ich sage dir, Petrus, ehe heute der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen.

Die Stunde der Not: 22,35–38

35Dann sagte Jesus zu ihnen: Als ich euch ohne Geldbeutel aussandte, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe, habt ihr da etwa Not gelitten? Sie antworteten: Nein.

36Da sagte er zu ihnen: Jetzt aber soll der, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen und ebenso die Tasche. Wer dies nicht hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich ein Schwert kaufen.

37Denn ich sage euch: An mir muss sich erfüllen, was geschrieben steht: Er wurde zu den Gesetzlosen gerechnet. Denn alles, was über mich gesagt ist, geht in Erfüllung.

38Da sagten sie: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er erwiderte: Genug davon!

Das Gebet in Getsemani: 22,39–46

39Dann verließ Jesus die Stadt und ging, wie er es gewohnt war, zum Ölberg; seine Jünger folgten ihm.

40Als er dort war, sagte er zu ihnen: Betet, dass ihr nicht in Versuchung geratet!

41Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete:

42Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.

43Da erschien ihm ein Engel vom Himmel und stärkte ihn.

44Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.

45Nach dem Gebet stand er auf, ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend; denn sie waren vor Kummer erschöpft.

46Da sagte er zu ihnen: Wie könnt ihr schlafen? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!

Die Gefangennahme Jesu und die Verleugnung des Petrus: 22,47–65

47Noch während er redete, siehe, da kam eine Schar Männer; und der Judas hieß, einer der Zwölf, ging ihnen voran. Er näherte sich Jesus, um ihn zu küssen.

48Jesus aber sagte zu ihm: Judas, mit einem Kuss lieferst du den Menschensohn aus?

49Als seine Begleiter merkten, was bevorstand, fragten sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?

50Und einer von ihnen schlug auf den Diener des Hohepriesters ein und hieb ihm das rechte Ohr ab.

51Da sagte Jesus: Lasst es! Nicht weiter! Und er berührte das Ohr und heilte den Mann.

52Zu den Hohepriestern aber, den Hauptleuten der Tempelwache und den Ältesten, die vor ihm standen, sagte Jesus: Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen.

53Tag für Tag war ich bei euch im Tempel und ihr habt nicht Hand an mich gelegt. Aber das ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.

54Darauf nahmen sie ihn fest, führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohepriesters. Petrus folgte von Weitem.

55Mitten im Hof hatte man ein Feuer angezündet und Petrus setzte sich zu den Leuten, die dort beieinandersaßen.

56Eine Magd sah ihn am Feuer sitzen, schaute ihn genau an und sagte: Der war auch mit ihm zusammen.

57Petrus aber leugnete es und sagte: Frau, ich kenne ihn nicht.

58Kurz danach sah ihn ein anderer und bemerkte: Du gehörst auch zu ihnen. Petrus aber sagte: Nein, Mensch, ich nicht!

59Etwa eine Stunde später behauptete wieder einer: Wahrhaftig, der war auch mit ihm zusammen; er ist doch auch ein Galiläer.

60Petrus aber erwiderte: Mensch, ich weiß nicht, wovon du sprichst. Im gleichen Augenblick, noch während er redete, krähte ein Hahn.

61Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. Und Petrus erinnerte sich an das Wort, das der Herr zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

62Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

63Die Männer, die Jesus bewachten, trieben ihren Spott mit ihm. Sie schlugen ihn,

64verhüllten ihm das Gesicht und fragten ihn: Du bist doch ein Prophet, sag uns: Wer hat dich geschlagen?

65Und noch viele andere Lästerungen stießen sie gegen ihn aus.

Jesus vor dem Hohen Rat: 22,66–71

66Als es Tag wurde, versammelte sich der Ältestenrat des Volkes, die Hohepriester und die Schriftgelehrten und sie ließen Jesus vor ihren Hohen Rat führen.

67Sie sagten zu ihm: Wenn du der Christus bist, dann sag es uns! Er antwortete ihnen: Wenn ich es euch sage, glaubt ihr mir ja doch nicht;

68und wenn ich euch etwas frage, antwortet ihr nicht.

69Von nun an wird der Menschensohn zur Rechten der Macht Gottes sitzen.

70Da sagten alle: Du bist also der Sohn Gottes? Er antwortete ihnen: Ihr sagt es - ich bin es.

71Da riefen sie: Wozu brauchen wir noch eine Zeugenaussage? Wir haben es selbst aus seinem Mund gehört.

Jesus vor Pilatus und Herodes: 23,1–25

231Daraufhin erhob sich die ganze Versammlung und man führte Jesus zu Pilatus.

2Dort brachten sie ihre Anklage gegen ihn vor; sie sagten: Wir haben festgestellt, dass dieser Mensch unser Volk verführt, es davon abhält, dem Kaiser Steuer zu zahlen, und behauptet, er sei der Christus und König.

3Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er antwortete ihm: Du sagst es.

4Da sagte Pilatus zu den Hohepriestern und zur Volksmenge: Ich finde keine Schuld an diesem Menschen.

5Sie aber blieben hartnäckig und sagten: Er wiegelt das Volk auf; er verbreitet seine Lehre im ganzen jüdischen Land, angefangen von Galiläa bis hierher.

6Als Pilatus das hörte, fragte er, ob der Mann ein Galiläer sei.

7Und als er erfuhr, dass Jesus aus dem Herrschaftsgebiet des Herodes komme, ließ er ihn zu Herodes bringen, der in jenen Tagen ebenfalls in Jerusalem war.

8Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah; schon lange hatte er sich gewünscht, ihn zu sehen, denn er hatte von ihm gehört. Nun hoffte er, ein von ihm gewirktes Zeichen zu sehen.

9Er stellte ihm viele Fragen, doch Jesus gab ihm keine Antwort.

10Die Hohepriester und die Schriftgelehrten, die dabeistanden, erhoben schwere Beschuldigungen gegen ihn.

11Herodes und seine Soldaten zeigten ihm offen ihre Verachtung. Er trieb seinen Spott mit Jesus, ließ ihm ein Prunkgewand umhängen und schickte ihn so zu Pilatus zurück.

12An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde gewesen.

13Pilatus rief die Hohepriester und die anderen führenden Männer und das Volk zusammen

14und sagte zu ihnen: Ihr habt mir diesen Menschen hergebracht und behauptet, er wiegle das Volk auf. Und siehe, ich selbst habe ihn in eurer Gegenwart verhört und habe an diesem Menschen die Schuld, wegen der ihr ihn anklagt, nicht gefunden,

15auch Herodes nicht, denn er hat ihn zu uns zurückgeschickt. Ihr seht also: Er hat nichts getan, worauf die Todesstrafe steht.

16Daher will ich ihn auspeitschen lassen und dann freilassen.

17[Einige spätere Textzeugen fügen hier ein: Er musste ihnen aber zum Fest einen (Gefangenen) freilassen. Vgl. Mt 27,15; Mk 15,6; Joh 18,39.]

18Da schrien sie alle miteinander: Weg mit ihm; lass den Barabbas frei!

19Dieser Mann war wegen eines Aufruhrs in der Stadt und wegen Mordes ins Gefängnis geworfen worden.

20Pilatus aber redete wieder auf sie ein, denn er wollte Jesus freilassen.

21Doch sie schrien: Kreuzige ihn, kreuzige ihn!

22Zum dritten Mal sagte er zu ihnen: Was für ein Verbrechen hat er denn begangen? Ich habe nichts feststellen können, wofür er den Tod verdient. Daher will ich ihn auspeitschen lassen und dann werde ich ihn freilassen.

23Sie aber schrien und forderten immer lauter, er solle Jesus kreuzigen lassen, und mit ihrem Geschrei setzten sie sich durch:

24Da entschied Pilatus, dass ihre Forderung erfüllt werden solle.

25Er ließ den Mann frei, der wegen Aufruhrs und Mordes im Gefängnis saß und den sie gefordert hatten. Jesus aber lieferte er ihrem Willen aus.

Kreuzweg und Kreuzigung: 23,26–43

26Als sie Jesus hinausführten, ergriffen sie Simon, einen Mann aus Kyrene, der gerade vom Feld kam. Ihm luden sie das Kreuz auf, damit er es hinter Jesus hertrage.

27Es folgte ihm eine große Menge des Volkes, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten.

28Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Töchter Jerusalems, weint nicht über mich; weint vielmehr über euch und eure Kinder!

29Denn siehe, es kommen Tage, da wird man sagen: Selig die Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben.

30Dann wird man zu den Bergen sagen: Fallt auf uns! und zu den Hügeln: Deckt uns zu!

31Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?

32Zusammen mit Jesus wurden auch zwei Verbrecher zur Hinrichtung geführt.

33Sie kamen an den Ort, der Schädelhöhe heißt; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den andern links.

34Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Um seine Kleider zu verteilen, warfen sie das Los.

35Das Volk stand dabei und schaute zu; auch die führenden Männer verlachten ihn und sagten: Andere hat er gerettet, nun soll er sich selbst retten, wenn er der Christus Gottes ist, der Erwählte.

36Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig

37und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich selbst!

38Über ihm war eine Aufschrift angebracht: Das ist der König der Juden.

39Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Christus? Dann rette dich selbst und auch uns!

40Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen.

41Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.

42Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!

43Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

Der Tod Jesu: 23,44–49

44Es war schon um die sechste Stunde, als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach - bis zur neunten Stunde.

45Die Sonne verdunkelte sich. Der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei.

46Und Jesus rief mit lauter Stimme: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Mit diesen Worten hauchte er den Geist aus.

47Als der Hauptmann sah, was geschehen war, pries er Gott und sagte: Wirklich, dieser Mensch war ein Gerechter.

48Und alle, die zu diesem Schauspiel herbeigeströmt waren und sahen, was sich ereignet hatte, schlugen sich an die Brust und gingen weg.

49Alle seine Bekannten aber standen in einiger Entfernung, auch die Frauen, die ihm von Galiläa aus nachgefolgt waren und die dies mit ansahen.

Das Begräbnis Jesu: 23,50–56

50Und siehe, da war ein Mann mit Namen Josef, ein Mitglied des Hohen Rats und ein guter und gerechter Mensch.

51Dieser hatte ihrem Beschluss und Vorgehen nicht zugestimmt. Er war aus Arimathäa, einer jüdischen Stadt, und wartete auf das Reich Gottes.

52Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu.

53Und er nahm ihn vom Kreuz, hüllte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war.

54Das war am Rüsttag, kurz bevor der Sabbat anbrach.

55Die Frauen in seiner Nachfolge, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, sahen das Grab und wie der Leichnam bestattet wurde.

56Dann kehrten sie heim und bereiteten wohlriechende Salben und Öle zu. Am Sabbat aber hielten sie die vom Gebot vorgeschriebene Ruhe ein.

Überblick

„Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ – dies sind die letzten Worte Jesu im Lukasevangelium. Ein Satz voll Vertrauen und Gewissheit.

1. Aufbau
Die Erzählungen von Leiden und Sterben Jesu in den synoptischen Evangelien (Markus, Matthäus und Lukas) weisen übereinstimmend folgende Abschnitte auf:

  • Todesbeschluss, Salbung Jesu, Judas bei den jüdischen Autoritäten
  • Vorbereitung zum Abendmahl, Abendmahl
  • Gang zum Ölberg, Gebet in Getsemani, Verhaftung Jesu
  • Verhör Jesu durch die jüdischen Autoritäten
  • Verleugnung des Petrus und Überstellung Jesu an Pilatus
  • Verhör durch Pilatus
  • Kreuzigung Jesu
  • Tod Jesu
  • Grablegung Jesu

 

Im Folgenden sollen nur diejenigen Szenen in den Blick genommen werden, die Lukas in anderer Weise oder zusätzlich zu Markus und Matthäus in sein Evangelium (Lukasevangelium – Lk) übernimmt.

 

2. Erklärung einzelner Abschnitte und Verse


Ähnlich wie auch der Evangelist Johannes lässt Lukas Jesus nach dem letzten Abendmahl noch einige Worte an die Apostel richten (Lk 22,24-38). Die markanten Stellen dieser Abschiedsrede Jesu im Lukasevangelium werden kurz benannt:

Verse 24-30: Die erste Szene geht zurück auf eine Unterhaltung der Apostel untereinander: sie streiten darüber, wer von ihnen der Größte sei. In seiner Antwort bedient sich Jesus zunächst dem anerkannten und normalen Bild von Herrschaft (Vers 25). In den folgenden Versen 26 und 27 stellt er Ihnen das Gegenbild vor, das in seinem eigenen Beispiel begründet ist. Bei den Jüngern, das bedeutet eigentlich in der christlichen Gemeinde, soll derjenige der einen bestimmten Status hat, diesen innerhalb der Gemeinde nicht ausleben. Vielmehr soll sich das vom Status des Wohltäters oder herrschenden abgeleitete Rollenbild umkehren. Derjenige, der eigentlich einen höheren Status hat, soll die Rolle des Jüngsten oder Dienenden einnehmen. So wie auch Jesus selbst in der Mitte seiner Jünger dient und nicht herrscht. Der Abschnitt endet mit einer Zusage Jesu an seine Jünger. Sie, die seinen Weg und alle schwierigen Situationen mit ihm treu durchstanden haben, sie erhalten die Zusage im Reich Gottes für ihre Treue belohnt zu werden.

Verse 31-32: In der Szene mit der Ankündigung der Verleugnung durch Petrus sind vor allem die ersten beiden Verse von Bedeutung. Nur der Evangelist Lukas berichtet von dieser direkten Ansprache Jesu an Simon Petrus. Hier spielt indirekt das Motiv der Treue aus dem vorangegangenen Abschnitt wieder eine Rolle. Denn der Wunsch des Teufels, die Jünger wie Weizen zu sieben, lässt an eine Prüfungssituation denken, wie sie Jesus selbst erlebt hat (vgl. Lk 4,1-13). Mit dem besonderen Eintreten Jesu für Petrus und dem Auftrag zur Stärkung seiner Brüder möchte der Evangelist Lukas die Rolle des Petrus in der nachösterlichen Zeit bekräftigen. Angesichts der Versuchungen des Teufels bittet Jesus Gott darum, dass Petrus nicht an seinem Glauben zweifelt. Wenn Petrus dann auch nicht mehr leugnet, Jesus zu kennen (vgl. Vers 34) – so ist das Wort 'umkehren' hier zu verstehen – dann kann er die anderen Jünger mit seinem Glauben stärken.

Verse 35-38: Der Abschluss der Rede Jesu nimmt Bezug auf die Aussendung der 72 Jünger Lk 10. Auch jetzt sollen die Jünger auf den Geldbeutel und den Proviant verzichten, ggf. auch auf den Mantel, und stattdessen ein Schwert kaufen. Die Aufforderung, sich zu bewaffnen, und die Ankündigung Jesu, wie ein Gesetzloser behandelt zu werden (vgl. Lk 22,52), weisen voraus auf das, was kommt: Gefangennahme und Auslieferung. Wenn die Apostel daraufhin zwei Schwerter präsentieren, kann das einerseits als Hinweis auf die Gefangennahme gewertet werden. Andererseits zeigt sich darin ein erneutes Unverständnis der Jünger, wie sie Jesu Worte über sein eigenes Schicksal zu verstehen haben. Das Schlusswort Jesu "genug davon" beendet sowohl die Abschiedsrede an die Jünger, als auch die gemeinsame Zeit insgesamt.

 

 

Lk 22, 51: Nur der Evangelist Lukas berichtet von dieser letzten Heilung Jesu. Sie zeigt, dass Jesus sogar seine Feinde, sogar diejenigen, die ihn festnehmen und ausliefern wollen, heilt. Die Aktion Jesu macht sowohl das gewaltsame Eintreten der Jünger ungeschehen als dass sie ihnen auch eindeutig zeigt, dass dieser Widerstand nicht der richtige ist.

 

Lk 24,6-12: Die Begegnung zwischen Herodes und Jesus wird uns nur vom Evangelisten Lukas berichtet. Wenn Pilatus Jesus an den zuständigen Herrscher Herodes überstellen lässt, will Lukas damit deutlich machen, dass Pilatus die Vorwürfe gegen Jesus für eine innerjüdische und für ihn harmlose Angelegenheit hält. Die Person des Herodes ist den Lesern des Evangeliums bereits bekannt, auch sein Wunsch Jesus kennenzulernen (Lk 9,7-9) auf den hier zurückverwiesen wird. Da Lukas weder das intensive Gespräch zwischen Herodes und Jesus noch die Anklagepunkte der Hohepriester und Schriftgelehrten überliefert, liegt die Pointe der Erzählung auf dem letzten Vers. Herodes und Pilatus, die zuvor offensichtlich keinerlei Gemeinsamkeiten miteinander entdeckt haben, werden mit einem Mal Freunde. Der Grund dafür ist ihr übereinstimmendes Urteil über Jesus von Nazareth.

 

Lk 23,27-31: Auch auf den letzten Metern zum Kreuz berichtet Lukas wie so oft von einer großen Volksmenge, die mit ihm zieht. Den klagenden und weinenden Frauen unter ihnen wendet sich Jesus mit einer Unheilsankündigung zu. Seine Aufforderung nicht über sein Schicksal zu weinen, sondern über das eigene und das der Kinder erläutert er im Folgenden. In der Seligpreisung der kinderlosen Frauen verdreht er Inhalt und äußere Form. Denn was sonst ein Zeichen des Makels ist (Kinderlosigkeit vgl. Gen 30,1f.), wird nun zum Gegenstand des Lobpreises. Mit dem Bildwort aus dem Buch des Propheten Hosea (Hosea 10,8) beschreibt er das kommende Unheil indirekt durch den zitierten Wunsch Berge und Hügel mögen auf die Menschen fallen. Auch das abschließende Wort vom frischen und trockenen Holz soll das kommende Unheil illustrieren. Es knüpft an die Erfahrungswelt der Menschen an: Normalerweise wird zuerst das trockene und besser brennende Holz ins Feuer geworfen, dann das frische. Wenn hier nun zunächst das frische Holz genutzt wird, scheint das Schicksal des trockenen Holzes besiegelt. Ohne viel zu sagen oder das kommende Geschick der Frauen von Jerusalem genau zu benennen, deutet Jesus an, dass das, was sie gerade beweisen, nur ein Bruchteil dessen ist, was sie selbst erleben werden.

 

Lk 23,39-43: Lukas fügt der Notiz von den beiden mitgekreuzigten Verbrechern ein Gespräch zwischen Jesus und den beiden hinzu, das noch einmal die ganz andere Gerechtigkeit Gottes in den Blick nimmt. Während der erste Verbrecher Jesus verspottet und darin dieselbe falsche Messiasvorstellung ausdrückt wie das umstehende Volk (Vers 35), wird der zweite Verbrecher indirekt als ein Glaubender gekennzeichnet. Er erkennt nicht nur die Unschuld Jesu, sondern äußert zugleich die Gewissheit, dass Jesus nach seinem Tod in seinem Reich, d.h. dem Reich Gottes sein wird. Diese Gewissheit und Erkenntnis des Verbrechers führen zur Zusage Jesu: "Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein." Weil der Verbrecher Jesus als denjenigen anerkennt, der im Reich Gottes Macht ausübt ("dein Reich"), zeigt sich an ihm die besondere Gerechtigkeit Gottes. Sie schaut nicht einfach nur auf die weltlichen Kategorien und die Vorgeschichte des Menschen, sondern urteilt nach dem Glauben und dem Vertrauen. So kann auch der Verbrecher vor Gott als Gerechter dastehen.

 

Lk 23,48: Nach dem Tod Jesu lenkt Lukas den Blick noch einmal auf die Jerusalemer Bevölkerung. Das Schlagen an die Brust ist ein Zeichen für Reue, Trauer und Schmerz. Mit derselben Geste war im Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner der Zöllner vor Gott getreten (vgl. 18,13). Mit dieser Geste schreibt der Evangelist den Bewohnern von Jerusalem so etwas wie ein Unrechtsbewusstsein zu.

Auslegung

"Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist", mit diesen Worten lässt der Evangelist Lukas Jesus am Kreuz sterben. Er legt ihm dabei ein Zitat aus Psalm 31,6 in den Mund, dass er um die Vater Anrede ergänzt hat. In Psalm 31 bringt der Beter mit diesen Worten vor seinem Tod sein Vertrauen auf Gott und seine Bitte um Schutz zum Ausdruck. Es wird eine Hoffnung für ein zukünftiges Geschehen ausgedrückt. Die Worte Jesu am Kreuz jedoch sind nicht in die Zukunft hinein formuliert, sie bringen kein Vertrauen um Zukünftiges zum Ausdruck. Im Munde Jesu sind die Worte eine Gegenwartsaussage, sie künden von der unbedingten Gewissheit des Gottessohnes auch nach dem Tod bei Gott zu sein. Indem Jesus seine Worte an den Vater richtet, geschieht das, was er gerade betet: Seinen Geist, das bedeutet sein Leben, hält er nicht mehr in eigenen Händen, sondern vertraut es dem Vater an. Er übergibt sein Leben dem Vater und stirbt.

Lukas verzichtet bewusst darauf den Tod Jesu als besonders schändlich und schmerzvoll auszugestalten. Jesu Tod erhält seine Besonderheit darin, dass er von Anfang an aus der Perspektive der Auferstehung geschildert wird. Dies wird nicht nur durch die Ankündigungen von Leiden und Auferstehung im Verlaufe des Evangeliums vorbereitet, sondern durch das Bekenntnis des Verbrechers kurz vor Jesu Tod betont. Die Art und Weise seines Todes gibt Rückschluss auf seine Identität: Nur der Sohn Gottes kann mit diesem tiefen Vertrauen auch im Tod ganz beim Vater zu sein, sein Leben aufgeben.

 

Kunst etc.

Einer der schönsten Gesänge aus Taizé, ist der letzte Satz Jesu im Lukasevangelium. Voll Vertrauen und wiederholt gesungen vermittelt er einen Eindruck des Vertrauens in einen Gott, der den Tod überwindet und dem man sein Leben vertrauensvoll hinhalten darf.

Anbei ein Link zu einem youtube-Video (externer Inhalt) mit dem Gesang „In manus tuas, Pater“ aus Taizé.

 

Eindrücklich bringt Lucas Cranach der Jüngere die Menschenmassen ins Bild, die gleich einem öffentlichen Schauspiel der Kreuzigung Jesu und der beiden Verbrecher beiwohnen.

Lucas Cranach der Jüngere, Kreuzigung (nach 1535), [Public domain] via wikicommons
Lucas Cranach der Jüngere, Kreuzigung (nach 1535), [Public domain] via wikicommons