Lesejahr C: 2018/2019

2. Lesung (Phil 4,4-7)

4Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!

5Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe.

6Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!

7Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren.

Überblick

Freut euch! Diese Aufforderung hören wir gerne, ist sie doch ganz und gar nicht Alltäglich. In einer Welt mit vielen Imperativen, was zu tun und zu lassen, zu denken und zu glauben ist, ist „freut euch!“ wie eine Atempause in der Hektik der vorweihnachtlichen Tage.

Auslegung

Der Aufruf zur Freude, der diesen Abschnitt einleitet, nimmt den Appell des Apostels Paulus aus Kapitel 2, Vers 18 des Philipperbriefes (Phil 2,18) wieder auf. Dort geht es um die Freude, die Apostel und Gemeinde empfinden aufgrund ihrer Verbundenheit im Glauben. Sowohl in Kapitel 2 als auch hier ist damit jedoch nicht eine Freude im Sinne eines Lustig Seins oder einer aufgesetzten Heiterkeit gemeint. Wenn Paulus zur Freude aufruft, dann meint er damit eine Herzensregung, eine Freude, die aus einer inneren Gewissheit erwächst. Denn es ist die Freude „im Herrn“, über die hier gesprochen wird. Der Glaube, dass Jesus Christus mit der Gemeinde in Philippi und mit jedem Menschen verbunden ist und die Hoffnung, dass er wiederkommt – sie sind Ursprung und Quell der christlichen Freude. Und diese Freude, die in der Zusage Gottes begründet ist, sie überdauert auch Bedrängnisse und die Herausforderungen des Alltags. Daher kann man sich „zu jeder Zeit“ (Vers 4) freuen.

Die zweite Aufforderung „sorgt euch um nichts“ (Vers 6) baut auf dem Gedanken der Freude auf. Die Nähe des Herrn und seine bleibende Gegenwart lassen nicht verzweifeln, sondern ermutigen, sich „in jeder Lage“ (Vers 6) vertrauensvoll an Gott zu wenden. Weil Gott nicht fern ist und der Welt des Menschen vollkommen entrückt, können wir ihm die Welt und alles, was uns widerfährt, vortragen.

Wem es gelingt, sich nicht zu sorgen und sich stets zu freuen in der Gewissheit, dass Gott mit ihm ist, dessen Lebenseinstellung wird anderen Menschen offensichtlich und könnte ansteckend sein. Die Güte von der Paulus spricht, ist in der Antike eine Tugend, die vor allem von Herrschern erwartet wird und das Gegenteil von Härte und Brutalität darstellt. Die Güte, die von der christlichen Gemeinde ausstrahlt, zeugt von einer anderen Einstellung zum Leben und dem Miteinander der Menschen.

Der Abschnitt schließt mit der Zusage des Friedens. Der Friede, der von Gott ausgeht und größer ist als alle menschliche Vernunft und das menschliche Streben, er ist das bleibende und einigende Geschenk Gottes. Denn Herzen und Gedanken, Fühlen und Denken werden von diesem Friedensgeschenk erfüllt und die Gemeinde mit Christus verbunden halten.

Kunst etc.

Wie die Freude über Gottes Handeln an uns zu Leichtigkeit und Heiterkeit einladen will, zeigt der Gesang „Jubelt und freut euch“ der Gemeinschaft von Taizé. Ein kurzes Hörbeispiel ist HIER zu finden.