Lesejahr C: 2018/2019

2. Lesung (Hebr 12,1-4)

121Darum wollen auch wir, die wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, alle Last und die Sünde abwerfen, die uns so leicht umstrickt. Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der vor uns liegt,

2und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.

3Richtet also eure Aufmerksamkeit auf den, der solche Anfeindung von Seiten der Sünder gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermattet und mutlos werdet!

4Ihr habt im Kampf gegen die Sünde noch nicht bis aufs Blut Widerstand geleistet

Überblick

Die Adressaten des Hebräerbriefs leben in der Bedrängnis durch das römische Reich Da trauen sich längst nicht mehr alle, zum auch der gegenseitigen Stärkung dienenden Gottesdienst zu kommen. Einige haben wahrscheinlich schon dem Glauben selbst den Rücken gekehrt und akzeptieren den Kaiserkult, um z. B. als Handelsleute  "im Geschäft zu bleiben". Diesen Tendenzen zu Flucht, Aufgabe und Glaubensmüdigkeit möchte der Verfasser des Hebräerbriefs, der eher eine mehrteilige Predigt  mit Exkursen (z. B. Kapitel 11) ist, mit allen Registern entgegenwirken.

 

Einordnung in den Kontext

Das der Lesung vorangehende Kapitel 11 bot dazu eine beeindruckende Liste von Glaubenszeugen aus alttestamentlicher Zeit.  Bis zu ihrem "normalen" oder auch gewalttätigen Tod sind sie allesamt nicht in der Kraft erlahmt, auf das von Gott hinterlegte "unsichtbare Erbe" zu hoffen, nämlich den Einzug in das "himmlische Jerusalem".  Rhetorisch geschickt lenkt nun Kapitel 12 den Blick zurück von der Himmelschau (Bild der "Wolke" in Vers 1) auf die irdischen Adressaten des Hebräerbriefs.

 

Aufbau des Textes

Die Verse 1-3 (ohne Vers 4) bilden eine Einheit in sich. Sie wird gerahmt einerseits durch die Selbstaufforderung, "Fesseln abzuwerfen" und "im Wettkampf zu laufen" (Vers 1), und andererseits durch die Aufforderung, "nicht zu ermatten und mutlos zu werden" (Vers 3).

Diese Aufforderung gründet in einem besonderen Blick, nämlich demjenigen auf Jesus (vgl. Vers 3: "Richtet also eure Aufmerksamkeit auf den..." als Rückgriff auf Vers 2: "... und dabei auf Jesus blicken"). Die Jesus betreffenden Aussagen bilden die Mitte der Texteinheit und bestimmen den ganzen Vers 2. Auf diese Mitte hin lenkt Vers 1 allmählich die Aufmerksamkeit und von dieser Mitte her zieht Vers 3 die Konsequenz für das Handeln der Gemeinde. Die Mitte von Vers 2 wiederum und damit das Zentrum der ganzen Einheit Hebräer 12,1-3 ist das Wort "Kreuz", das nur an dieser Stelle im gesamten Hebräerbrief vorkommt.

Vers 4 ist ein typischer Übergangsvers, der vom Griechischen her den Folgevers 5 einleitet. Dies zeigt der Übergang zwischen beiden Versen 4 und 5 mit dem Wörtchen "und". Die Lesungsauswahl hat aber offensichtlich Vers 4 als für sich stehende Aussage verstanden und noch zu den Versen 1-3 gezogen.

 

Vers 1: Von der "Wolke der Zeugen" zu den Lesenden des Hebräerbriefs

Während Kapitel 11 eher im Zeitraffer durch die Zeiten geht und namentliche Glaubenszeugen und -zeuginnen sowie Gruppen von Verfolgten chronologisch aufeinander folgen lässt, bindet die Eröffnung von Kapitel 12 Alle in das Bild der "Wolke" zusammen. Nicht die Einzelbeispiele der Zeugen und ihre Verteilung über die Zeit sind das Entscheidende, sondern die gewaltige Fülle und die Gemeinschaft. Was sie eint, wurde in Kapitel 11 durch die immer wieder refrainartig wiederholte Formel "aufgrund des Glaubens" verdeutlicht (beginnend mit Abel in 11,4 insgesamt neunzehnmal) .

An dieser Gemeinschaft will der Verfasser seine Adressaten teilhaben lassen. Rhetorisch holt er die Hörenden oder Lesenden sozusagen in die Wolke mit hinein, und zwar geschickt im sich selbst einbeziehenden Wir-Stil.  Er lässt das geistige Auge diese "Wolke" durchwandern, um  dann wieder ganz realistisch auf den Boden der irdischen Gegebenheiten zu blicken.

Dazu wechselt er veranschaulichend das Bild: Jetzt befinden wir uns sozusagen in der Arena einer römischen Wettkampfstätte. Von der "Wolkenversammlung", die wie eine beflügelnde Zuschauermenge von oben herabschaut, geht es jetzt um den sportlich-kämpferischen Einsatz des Einzelnen, um laufend das Ziel zu erreichen. Alles, was den Lauf behindern könnte, soll abgeworfen werden, damit man sich ja nicht durch überflüssigen Ballast unnötig beschwert oder irgendetwas am Leibe trägt, in dem man sich verfangen könnte. Das anschauliche Bild steht für die "Sünde", die hier als Kurzwort für alles steht, was sich an irdischen Verführungsmöglichkeiten bietet, um dem Glauben Ade zu sagen. (Näheres unter der Rubrik "Auslegung"). Ihnen gilt es mit Ausdauer zu widerstehen.

 

Vers 2: Das Vorbild Jesus

Mehreres an diesem Vers fällt auf:

1. Der Name "Jesus"

Der Blick aus der Wolke  wird auf "Jesus" gelenkt, der hier einzig und allein mit seinem irdischen Namen genannt wird. Das fällt auf, da der Hebräerbrief sonst durchaus auch von "Jesus Christus" spricht (vgl. geradezu hymnisch Hebräer 13,8: "Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit."). Vom älteren Paulus her gesehen wäre dies auch die viel geläufigere Redeweise. Doch schon die erste Nennung Jesu (Hebr 2,9: "aber den, der ein wenig unter die Engel erniedrigt war, Jesus, ihn sehen wir um seines Todesleidens willen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt;") zeigt, dass der Hebräerbrief vor allem auf Jesus in seinem Todesleiden schaut.

2. "Kreuz"

Genau darauf wird auch diesem Vers der Lesung mit dem Stichwort "Kreuz" angespielt. Spätestens jetzt könnte man irritiert sein: Denn was soll das Wettkampfmotiv mit dem Kreuz zu tun haben?

Hier zeigt sich der höchst kreative Umgang des Predigers, der aus dem Hebräerbrief spricht bzw. der sich hinter dem anonymen Schreiber verbirgt, mit den ihm vorliegenden Traditionen. Weder interessiert ihn - zumindest an dieser Stelle - das Kreuz als Folterinstrument noch als "Ort" der "Vergebung der Sünden" oder als Pfahl, an dem "unser Schuldschein angeheftet wurde" (vgl. zu den beiden letzten Aspekten zuletzt noch  Kolosser 2,13-14 in der Zweiten Lesung am 17. Sonntag). Von Interesse ist allein die "Schande" und die Beschämung der Person, die die Kreuzigung in der römischen Welt bedeutete. "Schlimmer geht nimmer", so darf man sich vorstellen, was ein Römer über einen Gekreuzigten dachte.

Dieser "Schande" hat sich Jesus nicht entzogen, glaubend an und hoffend auf den, der die an ihn Glaubenden "zuschanden werden" lässt (zu dieser biblsichen Redeweise vgl. bereits Ps 22,5-6: "5 Dir haben unsere Väter vertraut, sie haben vertraut und du hast sie gerettet. 6 Zu dir riefen sie und wurden befreit, dir vertrauten sie und wurden nicht zuschanden.").

Glaubend bekennt der Hebräerbrief, dass Jesus in seinem Glauben nicht enttäuscht wurde: Er hat "sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt". Dies ist nicht nur einfach ein traditionsgeprägte Ausdrucksweise für das Fortwirken des auferweckten Jesus Christus, sondern dieser Ausdruck der himmlischen Erhöhung wird sehr gezielt eingesetzt: Dem Bild größter Schande (im irdisch-römischen Sinne) wird ein Bild höchster Macht gegenübergestellt, vor der jeder römische Kaiserthron und der darauf Sitzende in die Bedeutungslosigkeit entschwindet.

 

3. "Vollendung"

Das Bild vom "Thronen zur Rechten Gottes" ist zugleich eine Veranschaulichung dessen, was der Begriff "Vollendung" ("Vollender des Glaubens") meint: Es ist die Teilhabe an der endgültigen Gottesherrschaft, an dem "Zustand", der eintritt, wenn die Vaterunser-Bitte "Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden" sich als Bitte  erübrigt haben wird, weil er reine Wirklichkeit ist. Jesus ist dort schon angekommen - so bekennt der Glaube -, um für alle in gleicher Weise wie er Gott Vertrauenden und auf ihn Hoffenden den Weg  dorthin zu eröffnen. Insofern ist er tatsächlich im Sinne des Vorbildes "Anführer des Glaubens", im Sinne des bereits am Ziel Angekommenen "Vollender des Glaubens" und im Sinne des Wegbereiters "Urheber ewigen Heils" (vgl. Hebr 5,9). Zum Begriff "Urheber des Glaubens", wie die Einheitsübersetzung den griechischen Ausdruck "archēgós" unglücklicherweise wiedergibt, s. die Rubrik "Auslegung".

 

 

Vers 3: Nachfolge Jesu konkret

Mit dieser zweifachen Botschaft, dass Jesus Anführer und Vollender des Heils ist, will der Autor des Hebräerbriefs zur Nachahmung Jesu im Glauben auffordern. Auch die "Hebräer", also seine Gemeinden, sollen angesichts erlebter Anfeindung durch die "gottfernen Repräsentanten des Irdischen schlechthin, ungeachtet politischer, ethnischer oder religiöser Schranken" (Knut Backhaus, Der Hebräerbrief, Regensburg 2009, S. 416) nicht ermatten und mutlos werden und sich von drohender gesellschaftlicher Ächtung und Ausgrenzung nicht abschrecken bzw. von der Kraft ihres Glaubens abbringen lassen.

 

Vers 4: Es könnte noch schlimmer kommen

Der letzte Vers der Lesung macht wenig Hoffnung auf Besserung der Zustände. Ob der Widerstand "bis aufs Blut" gegen die Verlockung, allein auf Weltliches oder gar auf sich selbst ohne Gott zu setzen ("Sünde"), das Martyrium  oder allgemeiner den Einsatz bis zum Letzten statt vorzeitiger Ermüdung meint, lässt sich nicht ganz sicher sagen. So oder so fordert aber der Verfasser des Hebräerbriefs höchste Entschiedenheit in Sachen Glauben ein.

Auslegung

Der Schande nicht ausweichen (Verse 1-2)

Der Gedanke, um den es in Vers geht, ist schon in Hebräer 11,24-26 eingespielt worden: Mose, der sich für den Weg hätte entscheiden können, als Sohn einer ägyptischen Prinzessin zu gelten und damit in Ägypten Karriere zu machen, wählte "aufgrund des Glaubens" (Vers 24) lieber den Weg, sich als Hebräer (so die Ursprungsbezeichnung der Israeliten in Exodus 1,15ff) zu bekennen und die entsprechende Schmach der Flucht, Verfolgung und Wüstenwanderung mit seinem Volk zu teilen und auf sich zu nehmen. Diese Schmach wird ausdrücklich "Schmach des Christus" genannt (Vers 26). Das Vergleichsmoment zwischen der Flucht des Mose und der Kreuzigung Jesu liegt in der Schmach und der gesellschaftlichen Ächtung sowie Ausgrenzung, die sich mit beidem verbindet.

Vom Vorgänger-Kapitel 11 lässt sich auch der Zusammenhang zwischen den ersten beiden Lesungsversen aus Hebräer 12 konkretisieren. Dazu vergleiche man:

Hebräer 11,24-25: "24 Aufgrund des Glaubens weigerte sich Mose, als er herangewachsen war, für den Sohn einer Tochter des Pharao gehalten zu werden; 25 lieber wollte er zusammen mit dem Volk Gottes Schlimmes erleiden, als flüchtigen Genuss von der Sünde zu haben."

und

Hebräer 12,1: "... Darum wollen auch wir, die wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, alle Last und die Sünde abwerfen, die uns so leicht umstrickt".

"Sünde" hat hier nicht die "klassische" Bedeutung, Gebote Gottes zu übertreten. Es geht vielmehr um die Gefahr des grundsätzlichen Systemwechsels, des Ausstiegs aus dem "System" Religion, zumindest der eigenen. Und Anlass dafür ist die "Verfänglichkeit" (s. das Verb "umstricken" in 12,1)  und Korrumpierbarkeit des Menschen durch die Verheißungen und den Glanz anderer Systeme. Dabei stehen Ägypten in Hebräer 11 und Rom in Hebräer 12 stellvertretend für alle denkbaren "Systeme", die Erfolg versprechen, der aber an Handlungen und Vorausetzungen gebunden ist, die mit "Glauben" nicht vereinbar sind. Dabei steht das hier gemeinte Ägypten [im Gegensatz etwa zum positiv (!) besetzten Ägypten der Josefs-Geschichte Gen 37 - 50]  biblisch für eine Politik, die "über Leichen geht" (vgl. dieTötung der erstgeborenen Jungen unter den Hebräern in Exodus 1), rücksichtslose Sklaverei und völlige Instrumentalisierung des Menschen sowie Verabsolutierung der Macht (einen guten Einblick gäbe z. B. die Lektüre von Exodus 5). Letzteres gilt auch für Rom, das aber zugleich mit seiner eigenen Viel-Götter-Welt dem Glauben an den einen Gott entgegensteht, für den Glauben an einen Heil bringenden gekreuzigten Christus keinen Platz hat, dafür aber Machtmenschen (die Kaiser) zu Göttern erklärt und ihnen opfern lässt. Wer in Rom etwas werden will, muss sein Christentum aufgeben. Dann aber locken Karriere, wirtschaftlicher Erfolg oder Teilhabe an der Macht.

Zu solcher Verlockung ist der in Roms Augen entehrte und schändliche Jesus am Kreuz der völlige Gegenentwurf, den der Verfasser des Hebräerbriefs als "Anführer und Vollender des Glaubens"  seinen Gemeinden vor Augen stellt. Jesus hat sich nicht blenden lassen durch die Verlockungen dieser Welt oder die Möglichkeit der (physischen) Selbstrettung durch Aufgabe seines (inneren) Selbst bzw. dessen, wofür er lebte, nämlich Gott selbst. Die Wiedervereinigung mit seinem Vater war ihm die größere, "vor ihm liegende Freude" gegenüber den Freuden, die Rom oder die, die ihn ans Kreuz gebracht haben, in Aussicht stellen konnten. Das war ihm die "Schande des Kreuzes" wert. 

 

"Urheber" oder "Anführer" des Glaubens?

Sucht man nach den Kernwörtern der Verse 1-2, so sind es wohl "Sünde", "Urheber", "Vollender" (teleiōtès) und "Kreuz". Was sie innerlich verbindet, wird durch zwei kurze Texte des Hebräerbriefs deutlich, die in Hebräer 12,1-2 wohl vorausgesetzt sind. Zum Begriffspaar "Urheber" und "Vollendung" passt - jedenfalls scheinbar - Hebräer 5,8-9:

"8 Obwohl er der Sohn war, hat er durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt;
9 zur Vollendung gelangt (teleiōtheís), ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden."

Doch während dieser Kurztext im Griechischen das Wort "aítios" "Urheber, Ursache" verwendet, gebraucht der Lesungstext an der Stelle, welche die Einheitsübersetzung mit "Urheber und Vollender des Glaubens" wiedergibt, den Begriff "archēgós". Um diesen Begriff gibt es tatsächlich eine Diskussion unter den Übersetzern: Meint er "Urheber" oder "Anführer"? Möglich ist beides. Doch sowohl die Theologie des Hebräerbriefs, der Jesus als Vorbild eines Glaubens herausstellt, den er nicht begründet hat, sondern der seit Abel bezeugt ist (Hebräer 11; vgl. aber auch Hebräer 1,1-2: "1 Vielfältig und auf vielerlei Weise hat Gott einst ... gesprochen ..., 2 am Ende dieser Tage ... durch den Sohn ..."), als auch die andere Wortwahl gegenüber dem griechischen Wort "aítios" sprechen gegen die eher aus dogmatischen Gründen gewählte Fassung des  Lesungstextes zugunsten der Übersetzung "Anführer". Ja, im Glauben ist Jesus als leuchtendes Beispiel und damit als "Anführer" den Menschen vorangegangen. Ob er den christlichen Glauben begründet hat, dazu will diese Lesung nichts sagen.

Dafür spricht auch der zweite Beleg des Begriffs "archēgós" in Hebräer 2,10:

"Denn es war angemessen, dass Gott, für den und durch den das All ist und der viele Söhne zur Herrlichkeit führen (anágō) wollte, den Urheber (archēgós: "Anführer") ihres Heils durch Leiden vollendete."

Denn hier überspielt die Einheitsübersetzung die Wortverbindung zwischen dem Verb "führen" (an dessen Bedeutung es nichts zu zweifeln gibt) und dem mit demselben Verb zusammenhängenden Hauptwort "archēgós" (die gemeinsame Wortwurzel ist jeweils fett markiert und somit auch für den "Nicht-Griechen" erkennbar). Es kann hier sinnvollerweise nicht "Urheber", sondern wiederum nur "Anführer" bedeuten. Damit ist die "Urheberschaft des Heils" (s. o. zu Hebräer 5,9) ja keineswegs bestritten. Nur ist sie in diesem Vers nicht Thema.

Kaum zufällig begegnet auch hier wieder die Rede von der "Vollendung". Was im Lesungstext nach außen sichtbar die Inkaufnahme der "Schande" als gesellschaftlicher Ächtung bedeutet, die zur Vollendung führt, wird in Hebräer 2,10 und 5,8-9 von der subjektiven Seite her vor Augen gestellt: Denn die Schande verband sich natürlich mit tiefstem "Leid" - körperlichem wie seelischem -, das es auszuhalten galt. Darin aber genau ist Jesus das Vorbild und der Ermutiger, nicht schon vielleicht bei viel kleinerem Leiden aufzugeben und den Glauben and den Nagel zu hängen.

 

Kunst etc.

Gabelkreuz St. Georg/Bocholt,  © Günter Seggebäing, CC BY-SA 3.0
Gabelkreuz St. Georg/Bocholt, © Günter Seggebäing, CC BY-SA 3.0

Das gotische Gabelkreuz aus der Pfarrkriche St. Georg in Bocholt bedarf keiner großen Auslegung. Es spricht für sich und lässt nicht nur den Schmerz, sondern auch die Schande ahnen, die es bedeuten musste, so - wahrscheinlich sogar noch ohne wenigstens die Scham bedeckendes Lendentuch - den Blicken der Gaffer ausgesetzt zu sein. Von Cicero (106 - 43 v. Chr.) ist das Wort überliefert:

"Nomen ipsum crucis absit non modo a corpore civium Romanorum, sed etiam a cogitatione, oculis, auribus“ (Pro Rabirio 5,16).
„Schon das (bloße) Wort Kreuz soll nicht nur vom Leib der Bürger Roms fernbleiben, sondern auch schon von ihrem Denken, ihren Augen und Ohren.“