Lesejahr C: 2018/2019

2. Lesung (2 Tim 2,8-13)

8Denke an Jesus Christus, auferweckt von den Toten, aus Davids Geschlecht, gemäß meinem Evangelium,

9um dessentwillen ich leide bis hin zu den Fesseln wie ein Verbrecher; aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt.

10Deshalb erdulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie das Heil in Christus Jesus erlangen mit ewiger Herrlichkeit.

11Das Wort ist glaubwürdig:

Wenn wir nämlich mit Christus gestorben sind, / werden wir auch mit ihm leben;

12wenn wir standhaft bleiben, / werden wir auch mit ihm herrschen;

wenn wir ihn verleugnen, / wird auch er uns verleugnen.

13Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, / denn er kann sich selbst nicht verleugnen.

Überblick

Gott bleibt treu – er kann sich nicht verleugnen.

1. Verortung im Brief
Der 2. Brief an Timotheus (2 Tim) gehört zusammen mit dem 1. Brief an Timotheus und dem Titusbrief zu den sogenannten Pastoralbriefen. In diesen wendet sich der Verfasser, der sich als Paulus ausgibt, um seinen Worten eine größere Autorität zu verleihen, an Gemeindeleiter in Ephesus (Timotheus) und Kreta (Titus). Grundthema der Briefe ist die Frage nach einer verlässlichen Weitergabe des Evangeliums angesichts vielfältiger Herausforderungen.

Nach den typischen Elementen einer Briefeinleitung (Gruß, Dank und erste Themeneinführung, 2 Tim 1,1-18) beginnt mit 2 Tim 2,1 der erste Hauptteil des Briefes. Timotheus soll hier als Glaubender bestärkt und zugleich an seine Aufgabe, die Bewahrung seiner Gemeinde im Glauben, erinnert werden.

 

 

2. Aufbau
Der Abschnitt hat zwei Brennpunkte: Zum einen die Überlieferung des Evangeliums, das Timotheus von Paulus selbst empfangen hat (Verse 8-10). Zum anderen die Botschaft des Evangeliums, die Hoffnung verheißt und zu Treue auffordert (Verse 11-13).

 

 

3. Erklärung einzelner Verse

Verse 8-9: Der Verfasser ruft Timotheus die Geschichte Jesu in Erinnerung. Dabei nimmt er auf die menschliche und die göttliche Seite Jesu Bezug, indem er von seiner menschlichen Herkunft aus dem Geschlecht Davids spricht und zugleich seine göttliche Herkunft bezeugt, die sich in der Auferweckung von den Toten zeigt. Diesen Jesus, der aus dem Fleisch und dem Geist, also der sichtbaren irdischen Wirklichkeit und der unsichtbaren himmlischen Wirklichkeit besteht, hat Paulus in seinem Evangelium verkündet. Und dieses Evangelium, die Botschaft von Jesus Christus, ist der Grund, warum der Verfasser des Briefes, der sich als Apostel ausgibt, leidet. Damit ist nicht nur die konkret gedachte Situation der Inhaftierung des Apostels gemeint, auf die der Verfasser sich beruft. Vielmehr sind damit alle Bedrängnisse und Anfeindungen gemeint, die dazu führen, dass er „wie ein Verbrecher“ behandelt wird. An Paulus selbst wird also sichtbar, welche Konsequenz die Verkündigung des Evangeliums nach sich zieht.

 

Vers 10: Die Beispielhaftigkeit des Paulus bekommt einen Sinn. Er nimmt die Leiden auf sich, damit andere dadurch zum Glauben kommen. Paulus selbst ist also nicht nur Verkündiger, er ist selbst Gegenstand der Verkündigung. Denn an ihm lässt sich ablesen, was das Evangelium meint: Leiden und Bedrängnis führen nicht in den Untergang, sondern zu wirklicher Gemeinschaft mit Gott, zu „ewiger Herrlichkeit“. Anders könnte man auch sagen: Nur, weil Paulus mit aller Konsequenz das Evangelium weitergibt und dafür leidet, können Menschen von der Wirklichkeit dieses Evangeliums überzeugt werden.

 

Verse 11-13: Der Verfasser des 2. Timotheusbriefes dürfte hier eine ältere, hymnische Tradition verarbeitet haben. Ganz ähnlich war auch im 1. Timotheusbrief bereits ein Gedanke aus der Tradition eingearbeitet worden (1 Tim 1,15). Dass es dort ebenfalls um Paulus als Beispiel für die Wahrhaftigkeit des Evangeliums geht, ist kein Zufall. Die Verkündigung in Gestalt des Paulus und seinem Lebenszeugnis macht einen wesentlichen Teil der Strategie der Pastoralbriefe aus.
Die vier parallel aufgebauten Aussagen, die jeweils von einem Verhalten der Menschen sprechen und diesem eine Verheißung Gottes gegenüberstellen, veranschaulichen die Gedanken aus den vorangegangenen Versen. Was zuvor für Paulus als den herausgehobenen Verkündiger gesagt wurde, das wird hier allgemein für die Gemeinschaft der Glaubenden formuliert. Möglicherweise handelt sich im Kern um ein frühes Bekenntnislied. Im Zusammenhang mit der direkten Ansprache an Timotheus sind die dargestellten Situationen hier aber vor allem auf ihn hin zu lesen.
Die Verbindung zwischen Mitsterben und Mitleben in Vers 11 erinnert an das 6. Kapitel des Römerbriefes. Der dritte Satz (Verleugnung) ruft das Wort Jesu aus dem Matthäusevangelium ins Gedächtnis: „Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen“ (Matthäusevangelium 10,33). Hieran lässt sich erkennen, dass ältere Überlieferungen in die Formulierungen eingeflossen sind.

Die Aussagen der Verse 11-12 spitzen sich zu in Vers 13, denn hier wird keine Entsprechung, sondern ein Kontrast beschrieben. Die Verheißung Jesu Christi steht fest, auch wenn die Menschen in ihrem Verhalten wanken und untreu werden.

Auslegung

Zwei Gedanken aus dem Abschnitt erweisen sich als besonders bedeutsam. Zum einen geht es dem Verfasser des Briefes darum, den jungen Gemeindeleiter in seiner Aufgabe, die mit mancherlei Herausforderung einhergeht, zu bestärken. Die Aussage „das Wort Gottes ist nicht gefesselt“ ist dabei die Kernaussage. Denn in aller Bedrängnis, von der der Verfasser spricht und die an der Person des Apostel Paulus ablesbar war, hat sich doch im vermeintlichen Scheitern des Apostels die Wirksamkeit des Evangeliums bewiesen. Denn was, was wir Scheitern aussah, führte zum Erfolg: Auch der leidende und gefangene Apostel verkündigte die Botschaft von Jesus Christus und weil er daran auch im eigenen Leiden und Scheitern festhielt, war er ein Spiegelbild der Botschaft von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi. Schien im Kreuz die Botschaft des Gottessohnes von der unbedingten Liebe gescheitert, wurde sie durch die Auferstehung in ihrer tatsächlichen Wirksamkeit sichtbar.

Zum anderen steht die Botschaft selbst im Fokus. Die Liebe Gottes, die Jesus Christus lebendig werden ließ, erweist sich in der Treue Gottes zum Menschen, zu seinem Geschöpf („bleibt er doch treu“). Und diese Treue, das Festhalten an denen, die er in Freiheit schuf und zur Freiheit berufen hat, diese Treue ist unabdingbar. Denn Gott kann nicht anders als lieben, sogar denjenigen, der sich abwendet, der untreu wird, der hasst. Die Liebe, die größer ist als Hass und Verachtung, gipfelt im Wort Jesu am Kreuz „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukasevangelium 23,34). Doch sie ist auch im Alten Testament fester Bestandteil des Bekenntnisses zu Gott (s. Kontext).

Beide Gedanken werden im Brief speziell auf Timotheus hin formuliert, der sowohl die Durchsetzungskraft des Evangeliums („das Wort Gottes ist nicht gefesselt“) wie die unabdingbare Liebe Gottes („bleibt er doch treu“) als Grundüberzeugung verinnerlichen muss, um in seiner Aufgabe zu bestehen. Sein Mentor Paulus (vgl. Apostelgeschichte 16,1-3) legt in seinem eigenen Leben Zeugnis ab dafür. Und mit diesem Lebenszeugnis hat er Timotheus dafür gewinnen können, selbst zum Botschafter des Evangeliums zu werden. Nun ist es an ihm als „Vorbild“ (Vgl. 2 Tim 1,13) genau diese Überzeugungen an seine Gemeinde weiterzugeben, in der Hoffnung, dass von dort aus andere zu Vorbildern im Glauben werden und die Botschaft weitergeben: Gott ist treu, er kann nicht anders.

Kunst etc.

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