Lesejahr C: 2018/2019

Evangelium (Joh 14,23-29)

23Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.

24Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.

25Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.

26Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

27Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.

28Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.

29Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.

Überblick

Was bleibt? Vor seinem Tod gibt Jesus seinen Jüngern Worte des Trostes und der Ermutigung mit.

1. Verortung im Evangelium
Mit dem 13. Kapitel beginnt der zweite Hauptteil des Johannesevangeliums (Joh). Im ersten Hauptteil (Kapitel 1-12) stand die Sendung Jesu vom himmlischen Vater zu den Menschen und sein Wirken mitten unter ihnen im Fokus. Mit dem Evangelium von der Fußwaschung (Joh 13,1-15) beginnt der Rückzug Jesu aus dem öffentlichen Wirken und zugleich die Rückkehr zum Vater, die mit Tod und Verherrlichung am Kreuz endet. Die Kapitel 13-20 (zweiter Hauptteil) verbringt Jesus vor allem mit seinem Jüngerkreis. Ihnen erklärt er nach der Fußwaschung in den sogenannten Abschiedsreden, die Bedeutung dessen, was ihn dann im Leiden und Auferstehen widerfährt.
Das Thema der ersten Abschiedsrede (Kap. 14) ist das Weggehen und Wiederkommen Jesu.

 

 

2. Aufbau
Die Verse 23-24 beschäftigen sich mit der Frage nach der Jüngerschaft. Wer zu Jesus gehört und wer nicht, ist am Verhalten zu erkennen. In den Versen 26-28 ist der Abschied Jesu von den Seinen und seine bleibende Gegenwart im Heiligen Geist und im gesandten Frieden Thema. Die Verse 25 und 29 nehmen das zentrale Motiv des Kapitels Weggehen und Wiederkommen auf und gliedern damit den Abschnitt.

 

 

3. Erklärung einzelner Verse
Verse 23-24: Der Einstieg in die Lesung erfolgt unvermittelt. Thema ist die Zugehörigkeit zu Jesus. Die Liebe zu Jesus zeigt sich im Halten seiner Worte. Damit ist sowohl das Bewahren, also das Weitergeben der Worte gemeint, wie auch das Beachten der Worte durch ein Leben im Sinne Jesu. Entsprechend ist das Nichtbeachten der Worte Jesu ein Zeichen der Abkehr von ihm und dem Vater, der ihn gesandt hat.
Wer Jesus liebt, bei dem wird er mit dem Vater wohnen. Dieses Bild der bleibenden Gegenwart von Vater und Sohn zeigt das Herabkommen Gottes in die Welt und Wirklichkeit des Menschen, wie es schon am Anfang des Johannesevangeliums in der Fleischwerdung des Wortes anklingt (Joh 1,14). Es bildet die Gegenbewegung zum Bild am Anfang des Kapitels. Dort ist von den Wohnungen im Haus des Vaters die Rede und dem Platz dort, den Jesus den Seinen vorbereitet. Die Aussicht auf die vorbereitete Wohnung im Haus des Vaters am Anfang des Kapitels (Joh 14,1-3) und das Wohnungnehmen Gottes bei den Seinen bilden einen Rahmen für das Kapitel und die erste Abschiedsrede Jesu.

 

Vers 25.29: In der Mitte und zum Ende des Abschnitts ordnet Jesus das Gesagte seinen Jüngern gegenüber ein. Seine Erklärungen sind nun, während er noch bei ihnen ist, womöglich nicht in allem für sie verständlich. Daher legt das Johannesevangelium auch besonderen Wert auf die Wiederholung von Themen. Die Worte Jesu sind, so betont Vers 29, dabei auch als Hilfestellung gedacht, um nach dem Tode Jesu die Ereignisse richtig zu verstehen.

 

Verse 26-28: Nun schaut Jesus voraus und gibt den Jüngern einen Ausblick, auf welche Weise er ihnen auch nach seinem Tode nahe sein wird. Die Gabe des Geistes, die vom Vater in seinem Namen ausgeht, ist ein Zeichen der bleibenden Präsenz Jesu. Der Geist soll „lehren“ und „erinnern“. Beide Aufgaben nehmen Grunderfahrungen Israels auf. Mit der Erinnerung werden die Heilstaten Gottes aus der Vergangenheit immer wieder in die Gegenwart geholt. So ist beispielsweise der Festkalender des Volkes Israel aufgebaut, in dem das jährliche Passah-Fest das rettende Handeln Gottes aus der Gefangenschaft in Ägypten lebendig hält. Auch das Lehren hat eine aktualisierende Bedeutung. Für das Volk Israel ist damit die Auslegung der Weisungen Gottes und ihre Übertragung in die Jetztzeit gemeint. Im Vermächtnis Jesu nimmt der Heilige Geist die Rolle ein, die Worte und Taten Jesu in Erinnerung zu rufen und zugleich zur Weitergabe der Botschaft zu animieren.

Der Frieden, den Jesus den Seinen hinterlässt, ist ganz in der Tradition des Alten Testaments Zeichen der Wirklichkeit Gottes. In diesem Sinne sendet Jesus seine Jünger aus, die Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden und den Menschen den Frieden zuzusprechen (Lukasevangelium 10,5f.). Weil dieser Friede die Gegenwart des Reiches Gottes schon jetzt erlebbar macht, unterscheidet er sich von allem „Scheinfrieden“, den die Welt versprechen kann. Die direkt folgende Ermutigung, sich nicht zu erschrecken oder ängstlich zu sein angesichts des kommenden Abschieds Jesu ist die logische Konsequenz der Friedensgabe. Wer das Reich Gottes im zugesprochenen Frieden schon jetzt als gegenwärtig begreift, der muss sich auch nicht fürchten, wenn Jesus nicht mehr greifbar unter seinen Jüngern ist.

Weggehen und Wiederkommen als zentrales Motiv wird hier noch einmal explizit von Jesus thematisiert. Er fordert seine Jünger auf, sich mit ihm über seinen Weggang zu freuen, weil dieser Weggang bedeutet beim Vater zu sein und damit seine Sendung zu vollenden.

Auslegung

Was bleibt, wenn Jesus wirklich fort ist? Diese Frage wird die Jünger Jesu innerlich und existentiell umgetrieben haben, seitdem Jesus ihnen angekündigt hat, zum Vater zurückzukehren. Damit sich ihre Herzen nicht beunruhigen und die Jünger nicht verzagen, gibt Jesus ihnen drei Ermutigungen mit für die Zeit seiner Abwesenheit. Der Heilige Geist als Vergegenwärtigung der gemeinsamen Zeit, der Frieden als Erfahrung des Reiches Gottes und die Aussicht, dass Vater und Sohn bleibend Wohnung bei ihnen nehmen, soll den Jüngern helfen, nicht den inneren Frieden zu verlieren.

Kunst etc.

Der Vers Joh 14,27 als Grundlage eines Gesanges aus Taizé "Frieden, Frieden" (externer Link- youtube)