Lesejahr C: 2018/2019

2. Lesung (Eph 1,3-6.11-12)

3Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. / Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.

4Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt, / damit wir heilig und untadelig leben vor ihm.

5Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, / seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,

6zum Lob seiner herrlichen Gnade. / Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.

11In ihm sind wir auch als Erben vorherbestimmt / nach dem Plan dessen, der alles so bewirkt, / wie er es in seinem Willen beschließt;

12wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt, / die wir schon früher in Christus gehofft haben.

Überblick

Ein Brief bei Paulus fängt in der Regel anders an: mit Dank, Lob oder dem Aufbau guter Stimmung. Der unbekannte Verfasser des Epheserbriefs hingegen setzt ein mit einem gewaltigen Lobpreis Gottes -  eine Art liturgischer Gesang (Eph 1,1-14). Davon erklingt in der Lesung zunächst die erste Strophe (Verse 3-6), die im Griechischen ein einziger Satz ist.  Die Wahl des Lobpreises ist kein Zufall, denn dem Schreiber geht es im ganzen Brief u. a. um das Gebet als Grundhaltung. Sie entspricht der Liebe Gottes als dessen Grundhaltung (vgl. Vers 5).


Aus dieser "Segnung Gottes" (im Hebräischen, Griechischen und Lateinischen sind  "segnen" und "preisen" ein und dasselbe Wort, das Deutsche unterscheidet: der Mensch "preist", während Gott "segnet" [beides in Vers 3]), schneidet die Lesung zwei Strophen heraus: den Anfang und die dritte Strophe (Verse 11-12). In ihr geht es um die Erwählung des Menschen von Gott her. Diese Versauswahl rund um das Stichwort "Erwählung" (vgl. bereits Vers 4) erklärt sich aus dem Fest des Tages, an dem die Erwählung Marias im Mittelpunkt steht. Ausgelassen sind die zweite und vierte Strophe (Verse 7-10 und 13-14), in denen es um das Thema "Erlösung durch Christus" geht.

 

Auslegung

Gott und Vater - Jesus Christus - Geist (Vers 3)

Eine Spezialität des Epheserbriefs ist sein durchgängiger Bezug auf den dreifaltigen Gott (vgl. z. B. Eph 4,1-6). Hier zeigt sich, dass er Paulus weiterdenkt, der meist nur von Gott und seinem Sohn spricht. Die Einheit von Vater, Sohn und Geist ist das eigentliche Fundament der Einheit der Kirche. Und um die geht es. Der Brief will das Zusammenwachsen der Kirche beflügeln, die nach der Gründungsphase des Apostels Paulus aus vielen Einzelgemeinden besteht. Aber auch die alte Rivalität zwischen Christen jüdischer und nichtjüdischer Herkunft (sog. Heiden) ist noch längst nicht überwunden.

 

"erwählt vor der Erschaffung der Welt" (V 4)

Die Dreifaltigkeit ist nicht "im Laufe der Zeit" entstanden. Gott gab und gibt es nie anders. Die ewige Zugehörigkeit des Sohnes zum Vater bedeutet laut Epheserbrief von Anfang an, dass aus Gottes eigenem Entschluss der Mensch überhaupt zu ihm gehört. Gott ist nicht anders zu denken als dass er will, dass es dem Menschen gut geht und dass er gut lebt.

 

Warum "Söhne " und nicht "Töchter" (V 5)?

Diese Absicht Gottes wird in das Bild des Erbes gekleidet (V 11). Weil damals Töchter weniger erbten als Söhne, spricht der Brief nur von "Söhnen". Alle, Männer wie Frauen, erben nach Sohnesrecht, sind damit unabhängig von ihrem wirklichen Geschlecht im bevorzugten Sohnesstand. Das "Sohneserbe" ist das ewige Leben.

 

Und wie lebt man als Erbe?

Das Markenzeichen derer, die auf diesen dreifaltigen Gott setzen, ist das Gebet. Davon ist sowohl in Vers 6 als auch in Vers 12 die Rede. Dabei betont der Lesungsabschnitt besonders das Gotteslob ("Lob der Herrlichkeit"). Doch der Brief im Ganzen nennt ebenso den Dank (Eph 1,15/16) wie auch die Bitte (Kapitel 3) als vertrauensvolle und berechtigte Formen des Betens. Der Austausch mit dem dreifaltigen Gott kennt keine wirklichen Grenzen.