Lesejahr C: 2018/2019

2. Lesung (1 Kor 12,3b-7.12-13)

3b Und keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet.

4Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.

5Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.

6Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.

7Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.

12Denn wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus.

13Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.

Überblick

Jesus ist der Herr! Das Bekenntnis zu Jesus Christus ist nur in und mit dem Heiligen Geist möglich.

1. Verortung im Brief
In den Kapiteln 12-14 im 1. Korintherbrief (1 Kor) widmet sich der Apostel Paulus sehr ausführlich den Geistesgaben. Dabei geht es sowohl um deren Ursprung aus dem einen Geist (1 Kor 12,4-11), als auch um deren Zuordnung zueinander im Bild vom Leib und den Gliedern (1 Kor 12,12-31). Über allen Geistesgaben und deren „Nutzung“ steht jedoch der Weg der Liebe (1 Kor 13,1-13). Danach widmet sich Paulus im Kapitel 14 einigen Gaben ausführlich (1 Kor 14,1-25) und beschreibt, wie diese im Gemeindegottesdienst zum Einsatz kommen (1 Kor 12,26-40). Insgesamt ist das Miteinander in der Gemeinde eines der zentralen Themen des Briefes. Ein weiteres ist die Treue zu der Verkündigung des Evangeliums durch Paulus. Der Apostel versucht, eine Eigendynamik der Gemeinde, die sich durch andere Ausleger des Evangeliums eingeschlichen hat, zu bremsen.

 

 

2. Aufbau
Vers 3b ist eine einleitende und zugleich programmatische Vorbemerkung. In den Versen 4-6 geht es um die Einheit und Herkunft des Geistes, der sich in den verschiedenen Gaben zeigt. Die Verse 12-13 führen ein in das Bild vom einen Leib und den vielen Gliedern.

 

3. Erklärung einzelner Verse

 

Vers 4: Gnadengaben: Hinter dem deutschen Wort verbirgt sich der griechische Begriff „Charismen“, Plural von charisma (χάρισμα, deutsch: aus Wohlwollen gespendete Gabe, Gunsterweis). In der griechischen Umgangssprache der Gemeinde von Korinth spielt dieses Wort kaum eine Rolle. Seine Bedeutung als „Gunsterweis“ und „geschenkte Gabe“ nutzt der Apostel Paulus, um ein weiteres Verständnis des Geistes als Wesen Gottes in der Gemeinde zu fördern. Paulus ist es wichtig, dass die Fähigkeiten und Talente, die jeder einzelne in das Gesamt der Gemeinde einbringen kann, als Geschenk Gottes verstanden werden. Dieses Verständnis bewirkt, dass die Gaben als unverfügbar und zugleich als Aufgabe erkannt werden.

 

Vers 12-13: Das Bild von der Gemeinde als Leib Christi muss der Gemeinde schon bekannt gewesen sein, denn es wird ohne große Erklärung eingeführt. Der Leib ist dabei das Bild für die bestehende Gemeinde, in die ein Getaufter eingegliedert wird und in der bestehende Gegensätze der antiken Gesellschaft überwunden sind (Vgl. Galaterbrief 3,26-29).

Auslegung

Die programmatische Einleitung gibt dem aus verschiedenen Abschnitten zusammengestellten Lesungstext eine Leserichtung vor: Nur aus dem Heiligen Geist heraus kann man sich zu Jesus Christus bekennen. Der Geist ist dabei so etwas wie eine Verstehenshilfe Gottes. Denn sich zu Jesus als dem Herrn, als dem Sohn Gottes zu bekennen und damit zu sagen „ich glaube“, das erfordert ein tiefes Verstehen und eine Bereitschaft nicht nur mit den Augen zu erkennen. Paulus, der den Brief an die Gemeinde von Korinth schreibt, weiß das nur zu gut. Er hatte die Christen einst verfolgt, weil er in ihnen eine Bedrohung seines jüdischen Glaubens sah. Erst die visionäre Begegnung mit dem Auferstandenen bei Damaskus (Apostelgeschichte 9,1-9) half ihm, in Jesus den Sohn Gottes und den ersehnten Messias, den Gesalbten Gottes zu erkennen – obwohl er erst einmal mit Blindheit geschlagen war. Wenn er nun den Christen in Korinth erläutern will, was der Geist Gottes ist, wie er sich zeigt und was er bewirkt, dann kann er auf seine eigene Lebenserfahrung zurückgreifen.

Für Paulus zeigt sich die Gegenwart des Heiligen Geistes zuerst einmal im Verstehen, dass Jesus der Herr, der Sohn Gottes ist. Dies ist ein inneres Geschehen des Einzelnen. Außerdem zeigt sich die Gegenwart des Geistes in den Gaben, die er einem jeden verleiht. Hier weitet sich der Blick schon vom Einzelnen zu den vielen hin. Denn die eigene Gabe und die Vielzahl der unterschiedlichen Geistesgaben erkennt man dort, wo Menschen mit unterschiedlichen Charismen aufeinandertreffen. So unterschiedlich diese Geistesgaben auch sein können, sie gründen in dem einen Heiligen Geist und damit in dem einen Gott, der jedem Gaben schenkt. Das Kriterium für die Gaben des Geistes, das, was die Geistesgaben von anderen Fähigkeiten unterscheidet, liefert Paulus direkt mit: Zum einen sind die Geistesgaben immer Gaben zum Nutzen aller (Vers 7). Zum anderen führen die Geistesgaben zusammen, nicht auseinander. Die Verse 12 und 13, die zum Bild vom einen Leib mit vielen Gliedern überleiten, machen dies deutlich. Im Geist, der uns in der Taufe zugesprochen wird, werden die Verschiedenheiten aufgehoben. Bei denjenigen, die zu Christus gehören, die seinen Leib, seine Kirche bilden, soll nicht die unterschiedliche Herkunft, Sprache oder der soziale Stand entscheidend sein, sondern das gemeinsame Verständnis von Christus.

 

Kunst etc.

Der Apostel Paulus dargestellt von einem unbekannten niederländischen Maler im 17. Jahrhundert.

Rijksmuseum [Public domain] via wikicommons
Rijksmuseum [Public domain] via wikicommons