Lesejahr C: 2018/2019

1. Lesung (Jer 33,14-16)

14Siehe, Tage kommen - Spruch des HERRN -, da erfülle ich das Heilswort, das ich über das Haus Israel und über das Haus Juda gesprochen habe.

15In jenen Tagen und zu jener Zeit werde ich für David einen gerechten Spross aufsprießen lassen. Er wird Recht und Gerechtigkeit wirken im Land.

16In jenen Tagen wird Juda gerettet werden, Jerusalem kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit.

Überblick

Man kann sich auf Gottes Heilswort verlassen. Er sorgt für Recht und Gerechtigkeit und selbst das Königtum dient ihm, damit ihm sein Volk zur Ehre wird.

1. Verortung im Buch

Das rettende und heilende Handeln Gottes beginnt gemäß der Botschaft des Buches Jeremia nicht erst nach dem gottgewirkten Unheil, sondern es ereignet sich im Durchgang durch Leid und Gericht. Dies wird bereits im Aufbau des Buches deutlich. Nicht am Ende, sondern umgeben von Unheilszusagen wird im theologischen Zentrum des Buches (Jeremia 30-33) eine Veränderung zum Guten und eine zukünftige gute Beziehung zu Gott verkündet. In Jeremia 33 wird umfassend für das Volk samt seiner politischen und religiösen Führung sowie sogar den Tieren eine positive Schicksalswende verheißen.  Ein Orientierungspunkt für das kommende Heil ist die Erinnerung an König David.

 

2. Aufbau

Die zukünftigen Tage stehen im Zentrum der Aussage von Jeremia 33,14-16. Jeder Vers macht eine auf die folgende Aussage aufbauende Verheißung. „Tage kommen“, an denen Gott seine Verheißungen an sein Volk aus der Vergangenheit verwirklichen wird (Vers 14). „In jenen Tagen“ wird Gott die Davidsdynastie neu erstehen lassen (Vers 15) und so wird „in jenen Tagen“ sein Volk wieder in Sicherheit leben können (Vers 16).

 

3. Erklärung einzelner Verse

Vers 14: Das Heilswort (wörtlich auf Hebräisch „das gute Wort“, הדבר הטוב – gesprochen: ha-davar ha-tov), dass sich verwirklichen wird, ist die Zusage aus Jeremia 31,31: „Siehe Tage kommen – Spruch des HERRN -, da schließe ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund.“ (vergleiche auch Jeremia 31,27). Die Verwirklichung dieses Heilswortes soll nach dem Babylonischen Exil geschehen, wie es in Jeremia 29,10 verkündet wird: „Ja, so spricht der HERR: Wenn siebzig Jahre für Babel vorüber sind, dann werde ich euch heimsuchen, mein Heilswort an euch erfüllen, um euch an diesen Ort [= Jerusalem] zurückzuführen.“

Vers 15: Ein Spross ist ein pflanzliches Bild für wachsendes und fruchtbares Leben, das neu entsteht. Es wird damit nicht nur ein Nachfahre König auf dem Thron verheißen, sondern ein neues Aufblühen der davidischen Linie. Der Spross steht in direkter Kontinuität zu David, dem bedeutendsten Königs Israels. Dieser verheißene Neuanfang dient jedoch nicht zuvorderst dem Erhalt der davidischen Königslinie, sondern der Gerechtigkeit, die durch den gerechten Spross (wörtlich: „Spross der Gerechtigkeit“, צמח צדקה, gesprochen: zemach zdaka) wiedererrichtet werden wird.

Vers 16: Die Durchsetzung der göttlichen Gerechtigkeit durch den Spross Davids dient der Sicherheit des israelischen Südreichs Juda und dessen Hauptstadt. Indem Gott sein Heilswort verwirklichen wird, verwandelt sich Jerusalem zum lebendigen Zeugnis für Gottes treues Handeln. Der zukünftige Ehrenname Jerusalems „Der HERR ist unsere Gerechtigkeit“ verdeutlicht aber auch, dass dem Handeln Gottes ein eigenes Tun seines Volks zu entsprechen hat (vergleiche Jeremia 33,8-9).

Auslegung

Der letzte König des israelitischen Südreiches Juda war Zidikja. Sein Name bedeutet „JHWH ist meine Gerechtigkeit“ und er wurde vom babylonischen König Nebukadnezzar entweder 598 oder 597 v. Chr. eingesetzt. Als er versuchte eine antibabylonische Allianz zu schmieden, wurde Jerusalem 587 v. Chr. durch die Babylonier erobert und zerstört. Dies bedeutete das Ende der davidischen Dynastie und den Untergang des judäischen Königreichs. Aber das Buch Jeremia verkündet, dass aus diesem Unheil durch Gott ein neuer Davidssproß hervorgehen wird und die Bewohner Jerusalems und das ganze Volk in Sicherheit leben werden können. Dies wird Gott ermöglichen. Die Wiederrichtung der davidischen Dynastie soll Recht und Gerechtigkeit gewährleisten. In Jeremia 33 wird fünfmal auf David als Knecht Gottes verwiesen. Das Königtum dient Gott und somit dem Volk. Die politische Führung wird bewusst stärker an das Volk gebunden. Das Handeln Gottes geschieht nicht zur Ehre des Königs, sondern Jerusalem erhält stellvertretend für das Volk den Ehrennamen „Der HERR ist unsere Gerechtigkeit“ (vgl. Jeremia 23,5-6).

Kunst etc.

In der Kunstgeschichte finden sich viele Darstellung der Wurzel Jesses (Jesaja 11,1) mit der in der christlichen Bildkunst die Abstammung Jesu aus dem Hause Davids, ausgehend vom dem Vater Davids, Jesse, dargestellt wird. In einem Psalter aus dem 16. Jahrhundert ist jedoch eine andere Darstellung zu finden, die sich eher auf das Motiv des Davidssprosses bezieht. Der Stammbaum des israelitischen Königtums entwächst aus David selbst und sprosst in die verschiedenen Verästelungen.

British Library, Arundel MS 307, ff. 16v - Lizenz: gemeinfrei
British Library, Arundel MS 307, ff. 16v - Lizenz: gemeinfrei