Lesejahr C: 2018/2019

1. Lesung (Apg 14,21b-27)

21Sie kehrten sie nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück.

22Sie stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen.

23Sie setzten für sie in jeder Gemeinde Älteste ein und empfahlen sie unter Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten.

24Nachdem sie durch Pisidien gezogen waren, kamen sie nach Pamphylien,

25verkündeten in Perge das Wort und gingen dann nach Attalia hinab.

26Von dort segelten sie nach Antiochia, wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten, der Gnade Gottes übereignet hatte.

27Als sie dort angekommen waren, riefen sie die Gemeinde zusammen und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte.

Überblick

Rückkehr mit Rückenwind. Mit großer Motivation für weitere Unternehmungen kehren Paulus und Barnabas von ihrer ersten Verkündigungsreise zurück.

1. Verortung im Buch
Der erste Teil der Apostelgeschichte (Apostelgeschichte (Apg) 1-12) hat mit Jerusalem und dem Apostel Petrus einen klaren Schwerpunkt. Im zweiten Teil der Apostelgeschichte (Apg 13-28) stehen Paulus und dessen Begleiter sowie die Missionsreisen im Mittelpunkt. Zu Beginn des 13 Kapitels werden Barnabas und Paulus durch den Heiligen Geist ausgewählt und von Antiochia am Orontes im antiken Syrien (heute Türkei) aus ausgesendet. Die erste Missionsreise beginnt. Nachdem Paulus und Barnabas in den Städten durchaus unterschiedliche Erfahrungen mit der Verkündigung des Evangeliums gemacht haben, kehren sie zum Ausgangspunkt ihrer Reise nach Antiochia am Orontes zurück.
Die heutige Lesung zeichnet den Rückweg nach und fast die Ereignisse der Reise exemplarisch zusammen.

 

 

2. Aufbau
Die Verse 21b-23 spielen in Lystra, Ikonion und Antiochia in Pisidien, Städten, in den Paulus und Barnabas das Evangelium bereits verkündet haben. Die Verse 24-25 beschreiben den weiteren Rückweg zu Land. Die Verse 26-27 schildern die Überfahrt mit dem Schiff zurück nach Antiochia am Orontes und den Reisebericht dort.

 

3. Erklärung einzelner Verse
Verse 21b-23: Mit der Stadt Derbe (Apg 21,21a) haben die beiden Reisenden, Paulus und Barnabas, den Zenit ihrer ersten Verkündigungsreise erreicht. Nun machen sie sich auf den Rückweg nach Antiochia am Orontes und nehmen dabei die gleiche Route wie auf der Hinreise. Auf diese Weise können sie den noch jungen Gemeinden, die durch ihre Verkündigung entstanden sind, noch einmal Mut machen. Lukas, der Autor der Apostelgeschichte, beschreibt sowohl eine seelsorgliche als auch eine leitende Aufgabe der beiden Verkündiger für die frisch gegründeten Gemeinden. Ihnen wird Mut zugesprochen und die Situation der Bedrängnis wird theologisch gedeutet. Gleichzeitig sorgen Paulus und Barnabas dafür, dass die Gemeinde auch nach ihrer Abreise durch eingesetzte Älteste einen inneren Orientierungspunkt hat.

 

Verse 24-25: Wenn zunächst nur die Regionen Pisidien und Pamphylien ohne weitere Orte und Ereignisse benannt werden, dann ist durchaus denkbar, dass sich dort ähnliches ereignet wie in den zuvor genannten Orten. Nur Perge wird eigens erwähnt. Dort hatten Paulus und Barnabas auf der Hinreise keinen längeren Aufenthalt und verkünden somit erst jetzt auch den Menschen dort das Evangelium.
Attalia ist der Ort, an dem Paulus und Barnabas wohl zuerst die Küste Kleinasiens (heute größtenteils Türkei) betreten hatte. Es ist der Perge vorgelagerte Küstenort.

 

Verse 26-27: Antiochia als Ausgangsort der Reise wird umschrieben mit Kategorien, die diesen Ort für die Glaubensbiographie von Paulus und Barnabas einzigartig werden lassen. Hier hatte der Heilige Geist der Gemeinde aufgetragen, Paulus und Barnabas auszusenden (Apg 13,2). Sie sind berufen, das Werk des Heiligen Geistes zu vollbringen (Apg 13,2). Dazu erfahren sie eine Aussendung durch die Gemeinde, die mit Fasten, Beten und Handauflegung verbunden ist.

Weil sie durch diese Gemeinde oder aus dieser Gemeinde heraus entsandt wurden, erstatten sie auch dort Bericht, über das, was sich ereignet hat. Paulus und Barnabas legen in gewisser Weise einen Rechenschaftsbericht über das ab, wie sie ihre Sendung gelebt haben. Dies entspricht dem, was auch die 72 Jünger nach ihrer Rückkehr zu Jesus tun (Lukasevangelium 10,17-24). Während alles andere summarisch, also zusammenfassend, erzählt wird, wird die Aufnahme des Glaubens durch die Nicht-Juden einzeln erwähnt. Dass es nun auch denkbar ist, direkt auf die „Heiden“ zuzugehen und ihnen die Botschaft von Jesus Christus als Sohn Gottes und Retter zu verkünden, ist die große Neuerung oder vielleicht auch Überraschung am Ende der ersten Missionsreise.

Auslegung

Ähnlich wie auch die Lesung vom vergangenen Sonntag viel Grundlegendes über die Vorgehensweise der Verkündigung auf den Missionsreisen geschildert hatte, ist es auch mit diesem Abschnitt aus der Apostelgeschichte. Die Zuwendung und Kontaktpflege zu den jungen Gemeinden, die angesprochenen Bedrängnisse und der Versuch den Gemeinden mit der Einsetzung von „Ältesten“ Stabilität zu verleihen, ist programmatisch zu verstehen. Die geschilderten Vorgänge betreffen sicher nicht nur die erwähnten Gemeinden, sondern spiegeln normale Notwendigkeiten junger Gemeinden wieder. Dies gilt ebenso für die Anforderungen an die Gemeindegründer Paulus und Barnabas. Auch sie werden nicht nur hier mit Anfeindungen, Neid und Zuspruch konfrontiert worden sein.

Drei wichtige Erkenntnisse gehen mit der ersten Missionsreise von Paulus und Barnabas einher: Zunächst einmal handeln Paulus und Barnabas als wirkmächtige Verkünder. Sie sprechen nicht nur über den Glauben an Jesus Christus, sondern machen ihn auch sichtbar. Sie vollbringen Wunder (so geschehen in Lystra Apg 14,8-10) und zeigen an ihrem eigenen unermüdlichen Einsatz, dass sie für die Verbreitung des Evangeliums Bedrängnisse auf sich nehmen.
Dann lässt sich erkennen, dass junge Gemeinden sehr schnell auch Schwierigkeiten kennenlernen. Sie erfahren Ausgrenzung und Anfeindung, die sicher Gemeindemitglieder verunsichert haben dürften. Zur Stärkung der jungen Gemeinden bekräftigen die Verkünder daher, dass diese Bedrängnisse „normale Begleiterscheinungen“ auf dem Weg zum Reich Gottes sind. Die Aussicht auf das Leben in Gottes Wirklichkeit soll die momentan empfundenen Probleme nicht wegdiskutieren, sie sehr wohl aber einordnen helfen. Zudem setzen Paulus und Barnabas die „Ältesten“ ein. Sie sind als Gremium eine Hilfe für das Gemeindeleben. Sie repräsentieren die Gemeinde, treten in Austausch mit anderen Gemeinden, sorgen für den Gottesdienst und das Miteinander der Christen vor Ort. Es ist ein Hirtendienst wie Paulus in Apg 20,28 sagt, wenn er zu den Ältesten der Gemeinde von Milet spricht: „Gebt Acht auf euch und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist zu Vorstehern bestellt hat“.
Außerdem wird am Abschluss der Reise deutlich, dass die Unternehmungen der beiden Verkündiger kein „Privatvergnügen“ sind. Paulus und Barnabas sind aus der Gemeinde in Antiochia ausgesandt worden, vor ihr legen sie auch Rechenschaft ab über das, was ihnen widerfahren ist. Dazu gehört auch, die Zeichen der Zeit in richtiger Form zu deuten: Paulus und Barnabas haben erlebt, dass sich auch Nicht-Juden von ihrer Botschaft anziehen und überzeugen ließen. Für sie steht damit fest: Gott spricht auch zu ihnen und auch sie sind für das Heil berufen, dass er allen Menschen schenken möchte.

Kunst etc.

Der Apostel Paulus, unbekannter Künstler, Rijksmuseum [Public domain] via wikicommons
Der Apostel Paulus, unbekannter Künstler, Rijksmuseum [Public domain] via wikicommons

Der Apostel Paulus mit einer Mischung aus Nachdenklichkeit und Einkehr im Blick und dem Schwert in der Hand, das ein Hinweis auf seine Todesart ist.