Lesejahr C: 2018/2019

1. Lesung (Zef 3,14-17)

14Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!

15Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der HERR, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten.

16An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen:

Fürchte dich nicht, Zion! Lass die Hände nicht sinken!

17Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er schweigt in seiner Liebe, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.

Überblick

Gott freut sich und seine Freude ist Grund zum Jubeln für Israel – selbst im Angesicht von Furcht, Kleinmut und Resignation.

 

1. Verortung im Buch

Am Ende des Buches Zefanja folgt auf die Verurteilung Jerusalems als „trotzige und schmutzige, gewalttätige Stadt“ (Zefanja 3,1) nach der Ankündigung des unheilvollen Gerichts die Verheißung erneuerten Heils. Das von Feinden und Unheil befreite Jerusalem wird sich wieder in Gott bergen können, der in seiner Stadt und seinem Volk, „in seiner Mitte“, gegenwärtig sein wird. Israel wird sich nicht nur über Gott freuen dürfen, sondern der Gott, der zuvor sein Volk bestraft hat, wird „Ansehen auf der ganzen Erde“ einbringen und „Ruhm bei allen Völkern der Erde“ (Zefanja 3,19-20).

 

2. Aufbau

Zweifach wird Jerusalem und somit das Volk Israel aufgefordert auf Gott zu vertrauen. Es soll jubeln (Vers 14) und es soll sich nicht mehr fürchten (Vers 16). Auf jede dieser Aufforderungen folgt eine Motivation, die die Freude des Volks in Gott, beziehungsweise am Ende sogar in Gottes eigener Freude, verankert.

 

3. Erklärung einzelner Verse

Vers 14: Die Stadt Jerusalem wird als eine Frau personifiziert angesprochen. Töchter wurden wegen ihrer Schönheit bewundert, aber sie galten auch als wehrlos und hilfsbedürftig. In ihrer elenden und bedrohten Lage wird Zion und damit auch das ganze Volk Israel, im Kontrast zu der subjektiv erfahrenen Realität zum allumfassenden, überschäumenden Jubel aufgerufen. In der vierfachen Aufforderung zum Jubel ist noch keine Begründung angegeben: Die Freude selbst ist sowohl Zeichen als auch Gabe der neuen Heilszeit.

Vers 15: Gott hat die Rechtsurteile gegen Israel nicht nur aufgehoben, sondern – wie es wörtlich heißt – „weggeschafft“ und somit den Weg für eine bessere Zukunft frei gemacht. Das in Zefanja 3,11 angekündigte, reinigende Gericht schein vollzogen zu sein: „An jenem Tag brauchst du dich nicht mehr zu schämen, wegen all deiner schändlichen Taten, die du gegen mich verübt hast. Ja, dann entferne ich aus deiner Mitte die überheblichen Prahler und du wirst nicht mehr hochmütig sein auf meinem heiligen Berg.“ Auch die äußeren Feinde sind abgewehrt, wie es Zefanja 3,8 verheißen hatte: „Darum wartet nur - Spruch des HERRN - auf den Tag, an dem ich auftreten werde als Kläger. Denn mein Rechtsspruch lautet: Völker will ich versammeln, Königreiche biete ich auf; dann schütte ich meinen Groll über sie aus, die ganze Glut meines Zorns. Denn vom Feuer meines Eifers wird die ganze Erde verzehrt.“ Gott herrscht wieder als König inmitten Israels und beschützt sein Volk.

Vers 16: Während die vorherigen Verse in der Leserichtung zum Jubel aufgrund der gegenwärtig wirksamen Gottesherrschaft aufrufen, verwandelt dieser Verse das vorher Gesagte und das Nachfolgen zu einer Verheißung, die sich in einer unbestimmten Zukunft verwirklichen wird: „an jenem Tag“. Deutlicher als zuvor wendet sich das prophetische Mutmachen gegen die Furcht und die Resignation der Angesprochenen. Der sich durch die gesamte Bibel von Genesis 15,1 bis Lk 2,10 ziehen Aufruf „Fürchte dich nicht!“ fordert dazu auf, nicht tatenlos aufzugeben, sondern auf Gott zu vertrauen.

Vers 17: Der in V 14 begonnene Jubelaufruf mündet in der Freude Gottes. Sein Jubel über sein Volk ist die Motivation für das Volk selbst zu frohlocken und sich nicht mehr zu fürchten.  In die Freude mischt sich jedoch auch Schweigen: „er schweigt in seiner Liebe“. Dieser starke Kontrast könnte andeuten, dass Gott selbst wenn er wieder zornig über sein Volk, aufgrund seiner Liebe zu seinem Volk kein neues Urteil sprechen wird. Dem Übersetzer der Septuaginta war diese Aussage unverständlich und er schrieb stattdessen: „er erneuert dir seine Liebe“. Der am Ende des Verses stehende Teilsatz „wie man frohlockt an einem Festtag“ ist eine textkritische Korrektur des Hebräischen Textes gemäß der Septuaginta durch den Übersetzer. Im Hebräischen gehört dieser Teilsatz zu Vers 18 und bedeutet: Die traurig sind, fern von der Festversammlung …“.  

Auslegung

Der Prophet ruft zur Freude auf, und begründet dies jeweils. Seine Aufforderung ist eine Siegesproklamation, wie nach dem Eintreffen der Meldung eines Sieges im Kampf. Seine Worte haben somit auch einen militärischen und politischen Kontext. Gott wird sich als König bezeugen und wieder in seiner Stadt und in seinem Tempe thronen, nachdem er alle Feinde Israel besiegt und seine Stadt befreit hat. Jerusalem ist für Israel das Symbol der Herrschaft Gottes auf Erden und der sprechende Prophet ein Evangelist, ein Freudenbote. Seine Worte erklingen in der Perserzeit, als sie niedergeschrieben worden, in einem Jerusalem, das noch immer von der Zerstörung der Stadt gezeichnet ist, nachdem das Volk aus dem babylonischen Exil befreit war. In der Erfahrung der Gottesferne, die das Exil verursacht hatte, sind Zefanjas Worte ein Weckruf, der auf die Macht Gottes vertraut und dessen Königsherrschaft als in der Gegenwart wirksam beschreibt. Die Aufforderungen zum Jubel sind wahrscheinlich nicht nur zum Lesen niedergeschrieben worden, sondern erklangen damals vielleicht in gottesdienstlichen Versammlungen. Es sind Worte, die Mut zusprechen, damit „die Hände nicht sinken“, sondern damit sich das Volk mit seinem Gott im Jubel vereint.

Kunst etc.

Auf einem Kalksteinrelief in Ninive aus der Zeit 669-627 v. Chr. gibt es eine Darstellung, wie Freude, Jubel und Jauchzen im Alten Orient zum Ausdruck gebracht wurden. Man sieht eine Gruppe assyrischer Frauen. Während eine sich rhythmisch auf den Hals schlägt, um so einen trillernden Laut hervorzubringen, klatschen die anderen in die Hände.

Nachzeichnung von Hildi Keel-Leu. Die Rechte liegen bei: Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg CH.
Nachzeichnung von Hildi Keel-Leu. Die Rechte liegen bei: Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg CH.