Lesejahr A: 2019/2020

Evangelium (Mt 13,1-23)

131An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees.

2Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer.

3Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen.

4Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es.

5Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;

6als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.

7Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.

8Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.

9Wer Ohren hat, der höre!

10Da traten die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen?

11Er antwortete ihnen: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen; ihnen aber ist es nicht gegeben.

12Denn wer hat, dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

13Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen.

14An ihnen erfüllt sich das Prophetenwort Jesajas:

Hören sollt ihr, hören und doch nicht verstehen; / sehen sollt ihr, sehen und doch nicht einsehen.

15Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden. / Mit ihren Ohren hören sie schwer / und ihre Augen verschließen sie, / damit sie mit ihren Augen nicht sehen / und mit ihren Ohren nicht hören / und mit ihrem Herzen / nicht zur Einsicht kommen / und sich bekehren und ich sie heile.

16Eure Augen aber sind selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören.

17Denn, amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.

18Ihr also, hört, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet.

19Zu jedem Menschen, der das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; bei diesem ist der Samen auf den Weg gefallen.

20Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt;

21er hat aber keine Wurzeln, sondern ist unbeständig; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er sofort zu Fall.

22In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört, und die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum ersticken es und es bleibt ohne Frucht.

23Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt Frucht - hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.

Überblick

Von Erfolg und Misserfolg der Aussaat. Oder wie man Sehen und Hören kann, ohne zu verstehen.

 

1. Verortung im Evangelium
Nach der Bergpredigt und der Aussendungsrede ist die Gleichnisrede (Mt 13,1-52) die dritte von insgesamt fünf großen Reden Jesu im Matthäusevangelium (Mt). In diesen Reden, die kunstvoll in den Gesamtzusammenhang eingeflochten sind, lässt der Evangelist Matthäus Jesus seine Botschaft vom Himmelreich thematisch bündeln. Auf diese Weise wird das Wirken Jesu, seine Wunder, sein Zugehen auf Menschen und die Reaktionen der Menge auf ihn immer wieder unterbrochen, um in Zusammenhang mit der Wort-Verkündigung Jesu gesetzt zu werden.
Nachdem der Fokus der vorangehenden Kapitel 11 und 12 auf den unterschiedlichen Reaktionen der Menschen auf das Wirken Jesu lag, stellt der Evangelist nun in den Gleichniserzählungen die zentrale Vorstellung vom „Wie“ des Himmelreiches in den Mittelpunkt. Die Gleichnisrede (Mt 13,1-52) lässt sich in zwei große Teile gliedern. Die Verse 1-23 gehören zum ersten Hauptteil (1-35), indem Jesus weitestgehend zur Volksmenge spricht (außer in den Versen 10-23). Im zweiten Hauptteil (36-52) sind nur noch die Jünger Adressaten der Gleichnisse.

 

2. Aufbau
Die Verse 1-3 leiten allgemein die Gleichnisrede ein. In den Versen 3-9 wird mit dem Gleichnis vom vierfachen Acker der Auftakt der Rede gesetzt. Die Verse 10-23 stellen eine „Pause“ in der Gleichnisrede an das Volk dar, denn hier wird den Jüngern der Sinn des Redens in Bildern erschlossen.

 

3. Erklärung einzelner Verse

Verse 1-3a: Der Einschnitt vom vorangegangenen Wirken und Verkündigen Jesu zur Rede in Gleichnissen wird deutlich durch die Einführung eines neuen Schauplatzes (See Genesaret). Die „große Menschenmenge“ schafft aber zugleich einen Anschluss, in dem sie die Bemerkung aus Mt 12,15 von den „vielen“, die Jesus folgten und „alle“ von ihm geheilt wurden, aufnimmt. Die Menschenmenge ist aber nicht nur Kulisse, sondern auch „Anschauungsbeispiel“ für das erste Gleichnis dieser Rede. Jesus hatte bereits zuvor in Gleichnissen zu den Menschen gesprochen (z.B. in Mt 7,24-27), um durch die bildhafte Darstellung einen Sachverhalt einprägsamer zu verdeutlichen. Nun aber reiht er mehrere aneinander und deutet sie, so dass das Himmelreich als Verheißung an alle, die glauben, an Kontur gewinnt.

 

Verse 3b-9: Das erste Gleichnis ist dem landwirtschaftlich alltäglichen Bereich entnommen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass nicht die ganze Saat aufgeht bzw. auf unterschiedlich fruchtbaren Boden fällt. Die Verse 4-7 schildern zunächst drei nicht geglückte Szenarien der Aussaat: Zuerst fällt der Samen auf den Weg, er kann dort nicht geschützt aufgehen und wird stattdessen von Vögeln weggefressen. Dann fällt der Samen auf felsigen Boden, wo nicht genug Keimfläche und Nährboden ist, um zu wurzeln; also werden die Keimlinge von der Sonne verbrannt. Außerdem kann die Saat zwischen Dornen (Unkrautpflanzen) fallen und dort erstickt werden. Im positiven Aussaatbeispiel in Vers 8 fällt der Samen dagegen auf „guten Boden“ und geht mit unterschiedlichem Ertrag auf.
Die genaue Beschreibung des Untergrunds, auf den der Samen fällt, macht deutlich, dass darin das entscheidende Vergleichselement der Erzählung liegt. Die Gründe für das Nicht-Aufgehen der Saat sind Folgen der Bodenbeschaffenheit und nicht das Zentrum des Bildes. Ebenso wenig ist es die dreifache Beschreibung des Ertrags.
Der Weckruf in Vers 9 schlägt einen Bogen zurück zu Mt 11,15, zieht damit eine Verbindung zur Frage nach den möglichen Reaktionen auf das Wirken Jesu und weist bereits in eine Deutungsrichtung: Es geht um die Frage auf welchen „Nährboden“ die Worte und Taten Jesu beim Volk führen, das ihm in so großer Zahl zuhört und folgt.

 

Verse 10-17: Obwohl der erste Hauptteil der Gleichnisrede das Volk als Adressaten im Blick hat, richtet Jesus sein Wort in diesen Versen exklusiv an die Jünger und damit auch an die Leser des Evangeliums. Mit einer „Verständnisfrage“ durchbrechen die Jünger die Rede Jesu an die Menge. Der Evangelist lässt sie an ihn herantreten, sie suchen damit inmitten der großen Szenerie seine Nähe, um den Sinn der Darstellung und dessen Inhalt besser zu verstehen. „Verstehen“ als Begriff wird von Jesus selbst eingeführt, ist ein Schlüsselbegriff der Verkündigung Jesu im Matthäusevangelium und wird hier erstmals pointiert verwendet. Anders als im Markusevangelium (Mk 4,10) fragen die Jünger nicht nach dem "Sinn" der Gleichnisse an sich, sondern nach der Funktion der Gleichnisrede Jesu an die Volksmenge. Matthäus bereitet so schon in der Frage der Jünger vor, dass diese sich in Bezug auf das Verständnis der Gleichnisse von der Volksmenge unterscheiden.

Die Antwort Jesu auf die Frage ist zweiteilig: Im ersten Teil stehen die Jünger im Fokus. Ihnen ist es „gegeben“, d.h. es wird ihnen geschenkt, die „Geheimnisse des Himmelreichs“ zu verstehen. Jesus spricht damit aus, dass es den Jüngern – im Unterschied zum Volk – gelingt, sein Wirken als Gottes Gegenwart und Ausblick auf das Himmelreich zu verstehen. Ihnen erschließt sich die Dimension hinter dem, was sie durch Wort und Tat Jesu miterleben. Wenn davon die Rede ist, dass dieses Verstehen den anderen (dem Volk) nicht „gegeben“ ist, darf dies nicht als ein Ausschluss von Seiten Gottes verstanden werden und die Gabe der Erkenntnis als Gnadengeschenk. Die Kapitel 11 und 12 des Matthäusevangeliums hatten sich bereits mit den unterschiedlichen Reaktionen auf das Wirken Jesu beschäftigt. Hier schließt die Bemerkung Jesu inhaltlich an. Ausgangspunkt für die Darstellung der Menschen und ihrer Antwort auf Jesus sind die „Taten des Christus“ (Mt 11,2). Diese Taten sind öffentlich und umfassen das Verkündigen des Himmelreiches in Wort und Tat. Die Grundlage ist also bei allen gleich – die Antwort jedoch fällt unterschiedlich aus: Die Jünger lassen ihr altes Leben zurück und treten ganz in die Nachfolge ein, die jüdischen Autoritäten (Pharisäer und Schriftgelehrte) distanzieren sich zunehmend, einige aus dem Volk wenden sich ab, andere folgen Jesus weiter durch die Städte, treten aber nicht in die Jüngerschaft ein. „Gegeben“ wurden ihnen allen die sichtbaren Zeichen Jesu, die einen deuten und verstehen sie als das Wirken des Gottessohnes, die anderen sehen in ihnen Wunder oder auch anmaßendes Verhalten bringen all das aber nicht mit Gottes Gegenwart zusammen. Die Gleichnisrede Jesu wird diese Differenz in der Wahrnehmung und „Beurteilung“ seines Handelns nicht aufheben. Im Gegenteil, angesichts der bildhaften Rede vom Himmelreich wird sich der Unterschied zwischen den Verständigen und Unverständigen noch stärker herausstellen. Denn den Jüngern, die Jesu Wirken als Hinweise auf das Himmelreich verstehen, ihnen wird noch tiefer dessen Wirklichkeit erläutert. Denjenigen aber, die „nicht haben“, die interessiert und vielleicht auch fasziniert sind von den Worten Jesu, sie aber nicht als Ausblick auf Gottes Wirklichkeit verstehen und sich entsprechend nicht auf das Jüngersein eingelassen haben, sie werden am Ende mit leeren Händen dastehen.
Im zweiten Teil der Antwort Jesu auf die Frage der Jünger wird der Blick stärker auf die Volksmenge gelenkt. Jesus erklärt den Jüngern mithilfe eines Jesaja-Zitats, das er zunächst zusammenfasst und dann wiedergibt (Jesaja 6,9-10), warum er zu ihnen in Gleichnissen spricht. Die bildhafte Rede ist für sie, die sich auf die göttliche Botschaft im Handeln Jesu einlassen, verständlich. Ihre Augen und Ohren sehen etwas und die Jünger verstehen den tieferen Sinn dahinter. Das Volk aber sieht und hört und versteht doch nicht – weil, wie der Prophet Jesaja sagt – ihre Herzen hart sind. Diese Menschen sind „nicht berührbar“, nicht empfänglich für Gottes Botschaft in Jesus Christus.

Am Ende seiner Antwort an die Jünger weist er diese auf die Bedeutung ihres Verstehens hin: Die Seligpreisung der Augen und Ohren der Jünger entspricht deren Bereitschaft mehr wahrzunehmen als das, was sich dem Auge und Ohr darbietet. Indem sie verstehen, was wirklich hinter den Taten des Christus steckt, erleben sie das, wonach viele „Propheten und Gerechte“ sich gesehnt haben.

 

Verse 18-23: Mit dem vorangestellten „ihr“ leitet Jesus die Deutung des Gleichnisses vom Sämann ein und fordert die Jünger auf, mit wachen Sinnen seine Worte richtig zu verstehen. Es geht im erzählten Gleichnis um den Erfolg und Misserfolg der Verkündigung des Himmelreichs. Dabei ist der Sämann zunächst Jesus selbst und die Jünger diejenigen, bei denen der Samen aufgeht und zu Ertrag führt. Aber auch die Jünger selbst, die Jesus in Mt 10,7 ausgesendet hatte, das Himmelreich zu verkündigen, finden sich im Sämann wieder. Auch sie werden mit mehr und weniger großem Erfolg Gottes Wort weitergeben. 
Parallel zur Struktur des Gleichnisses „entschlüsselt“ Jesus dessen Bedeutung. Als Samen, der auf den Weg und damit auf keinen Nährboden fällt, wird die Verkündigung bei denen beschrieben, die sich durch „den Bösen“ die eigentliche Botschaft rauben lassen. Im Kontext des Matthäusevangeliums und der Auseinandersetzung mit den jüdischen Autoritäten sind die Bösen hier die Schriftgelehrten und Pharisäer, die einen Weg der Gesetzesauslegung vorleben, der den Blick auf das Himmelreich verstellt. Die Situation der Aussaat auf felsigen Boden wird verglichen mit den Menschen, die zwar zunächst begeistert sind von der Verkündigung, dann aber nicht daran festhalten, sobald sie in Bedrängnis geraten. Die „Dornen“ stehen als letzte Aussaat-Situation für die Menschen, die sich durch ihr bisheriges Leben so sehr haben einengen lassen, dass die Botschaft sich in ihnen letztlich nicht entfalten kann. Angesichts von Reichtum oder „trügerischer Sorge“ um Nebensächliches findet das Wort Gottes dort keine positive Antwort. Abschließend schaut Jesus auch bei der Erschließung des Gleichnisses auf die erfolgreiche Aussaat. Sie stellt sich ein, wenn Menschen ihre Ohren zum Wirklichen Verstehen nutzen und sich aus dem Verständnis der Botschaft vom Himmelreich Konsequenzen ergeben.

Auslegung

„Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden. Mit ihren Ohren hören sie schwer und ihre Augen verschließen sie, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören und mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen und sich bekehren und ich sie heile.“
Die Begegnungen mit Menschen haben bei Jesus und seinen Jüngern Spuren hinterlassen, so lässt sich das Einbinden des Jesaja-Zitats in die Rede Jesu deuten. Unablässig ist Jesus dabei durch Wunder und kraftvolle Worte, die Botschaft vom Himmelreich und damit die Aussicht auf Gottes Gegenwart zu den Menschen zu bringen. Im Wissen darum, dass so viele diese Botschaft ersehnen (Mt 9,36-38) gibt er seinen Jüngern Anteil an seiner Sendung durch den Vater. Er macht die Zwölf zu Botschaftern des Himmelreichs – wohlwissend, dass ihnen, wie ihm, nicht nur Erfolg beschienen ist. Im Rückblick auf die verschiedenen Reaktionen der Menschen, auf Verstehen und Nicht-Verstehen, beginnt Jesus im Matthäusevangelium seine Gleichnisrede. Sie ist nicht darauf angelegt, die bisher Verständnislosen zu Mitwissern des Himmelreichs zu machen. Sie wird im Gegenteil die Differenz noch deutlicher hervortreten lassen zwischen denen, die in der Lage sind, in den Taten Jesu das Wirken Gottes zu erkennen und denen, deren Herz für die Botschaft von Barmherzigkeit und Liebe hart geworden ist. Indem sie den Jüngern Jesu das Privileg ihres Verstehens noch einmal vor Augen führt, soll die Gleichnisrede aber auch die Jünger in ihrer Aufgabe als Botschafter des Himmelreichs bestärken. Das erste Gleichnis von der Aussaat setzt dabei beim konkreten Erleben Jesu und der Jünger an: Es gibt Menschen, die zwar alle Anlagen (Ohren und Augen) haben, um „die Taten des Christus“ wahrzunehmen, dennoch werden sie nicht verstehen und verarbeiten, welch heilvolles Wort ihnen zugesprochen wird. Dabei ist der Schluss des Gleichnisses und auch der letzte Satz an die Jünger der Schlüssel, um die Rede vom „Verstehen“ richtig einzuordnen. Denn im Gleichnis zeigt erst das Fruchtbringen (mit unterschiedlichem Ertrag) der Samen an, dass die Aussaat erfolgreich war. Es geht nicht nur um ein Wachsen der Pflanzen, sondern um das, was aus dem Wachstum entsteht: Ernte, die anderen nützt und zugleich neue Aussaat möglich macht. 
Für die Situation der Verkündigung zeigt sich der wirkliche Erfolg nicht nur darin, dass „mit Ohren und Augen verstanden“ wird, sondern darin, dass aus dem Verständnis der Worte und Taten Jesu etwas erwächst. Auch hier sind die Jünger das erste Beispiel für die erfolgreiche Aussaat. Sie haben aus dem Wirken Jesu nicht nur den richtigen Schluss gezogen, dass hier etwas von Gottes Wirklichkeit sichtbar wird. Sie machen diesen Entschluss auch in ihrem eigenen Tun erlebbar: Sie entscheiden sich für diese Wirklichkeit des Hereinbrechenden Himmelreichs und lassen sich auf ein Leben in der Nachfolge Jesu ein. Sie verändern ihr Leben, indem sie nach Frieden, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit suchen – wie es die Seligpreisungen nahelegen. Sie sind bereit, sich Anfeindungen auszusetzen und der Botschaft die höchste Priorität einzuräumen – sogar vor familiären und sozialen Bindungen (Mt 10,37-39). Sie geben ihrer Sehnsucht nach einem Leben mit Gott Raum und gehen das Risiko ein, dafür notfalls das irdische Leben zu verlieren. Und indem sie so leben, geben sie Zeugnis für den Samen der Botschaft, der in ihnen Nährboden gefunden hat. Das Beispiel der Jünger gipfelt in der Aussendung und damit in ihrer eigenen Tätigkeit als Sämann. Ihre eigene Verkündigung des Himmelreiches ist der reiche Ertrag der Aussaat Jesu.
Den Jüngern gegenüber stehen diejenigen, die mit hartem Herzen, die Botschaft Jesu vielleicht hören und sehen, aber für ihr Leben keine Konsequenzen daraus ziehen. Manche nicht, weil das alte Leben mit seinen Bequemlichkeiten zu verlockend ist. Andere nicht, weil sie vor dem, was das neue Leben an Bedrängnissen mit sich bringt zurückschrecken. Und dem ein oder anderen wird die Freude an der Botschaft durch diejenigen geraubt, die Angst vor dem Verlust der Deutungshoheit im Hinblick auf ein gutes und richtiges Leben haben. 
Ohren und Augen alleine entscheiden nicht, was aus der Botschaft wird. Das Evangelium vom Himmelreich zu konsumieren alleine führt nicht zum Ertrag. Es sind die Ohren und Augen, die aus einer Wahrnehmung eine Entscheidung machen und die Entscheidung, die zu sichtbaren Lebenskonsequenzen führt – diese Art von Verstehen macht den Ertrag des Sämanns aus.