Lesejahr A: 2019/2020

2. Lesung (Röm 9,1-5)

91Ich sage in Christus die Wahrheit und lüge nicht und mein Gewissen bezeugt es mir im Heiligen Geist:

2Ich bin voll Trauer, unablässig leidet mein Herz.

3Ja, ich wünschte selbst verflucht zu sein, von Christus getrennt, um meiner Brüder willen, die der Abstammung nach mit mir verbunden sind.

4Sie sind Israeliten; ihnen gehören die Sohnschaft, die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse; ihnen ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen;

5ihnen gehören die Väter und ihnen entstammt der Christus dem Fleische nach.



Gott, der über allem ist, er sei gepriesen in Ewigkeit. Amen.

Überblick

Wer in den letzten Wochen die Sonntagslesungen aus dem Römerbrief verfolgt hat, erlebt einen gänzlich anderen Paulus als noch am vorigen Sonntag. Aus dem Ton triumphaler Gewissheit, dass angesichts der in Aussicht stehenden Auferweckungsherrlichkeit alles Leiden um Christi Willen eher ein unbedeutendes Vorspiel, zumindest aber kein endgültiges Hindernis auf dem Weg zu Gottes Herrlichkeit ist, wird nun eher ein Ton der Trauer und der Verzweiflung angeschlagen. Hier liegt kein rhetorischer Trick vor, der einfach nur mit Gefühlen spielt. Vielmehr zeigt sich in den Kapiteln 9 - 11 die Kehrseite der Glaubens- und Hoffnungsgewissheit des Paulus: Wenn alles so ist, wie er es glaubt, wie Gott es ihn in persönlicher Offenbarung hat schauen und erkennen lassen; wenn also alles Heil in Kreuz und Auferweckung Jesu beschlossen ist und darin derselbe Gott am Werke ist, der sich als Allererstes dem Gottesvolk Israel offenbart hat, zu dem sich auch Paulus nach wie vor selbst als Jude zählt - was ist dann mit all den jüdischen Glaubensgeschwistern, die im Ergehen Jesu kein Heilswirken Gottes erkennen können? Was ist mit all den jüdischen Glaubensgeschwistern, die daran festhalten, dass "ein am Pfahl (= Kreuz) Gehenkter ein von Gott Verfluchter" ist (vgl. Deuteronomium/5. Buch Mose 21,23) und eben kein Erlöser sein kann und ist?

 

Einodnung in den Zusammenhang

Mit Kapitel 9 beginnt eine neue Einheit im Römerbrief, die nach Gottes Heilsplan für die jüdischen Geschwister des Paulus fragt, die den Weg des Christusglaubens nicht mitgehen können oder wollen. Hatte sich Paulus in den ersten drei Kapiteln des Römerbriefs besonders für die Heiden stark gemacht (Römer 3,29: "Oder ist Gott nur der Gott der Juden, nicht auch der Heiden? Ja, auch der Heiden, ..."), wendet er sich ab Kapitel 9 also besonders den jüdischen Geschwistern zu. 

Die gesamte Thematik ist bereits vorbereitet durch das Proömium, also den inhaltlichen Vorspann des Römerbriefs (Römer 1,8-17). Dort hat Paulus nämlich eine Grundsatzthese zum "Evangelium" aufgestellt, für dessen Verkündigung er steht und für das er sich "nicht Schämt" (Römer 1,16a):

"Es ist eine Kraft Gottes zur Rettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, aber ebenso für den Griechen" (Römer 1,16b).

Paulus sieht also im Evangelium von Jesus Christus eine Heilsbotschaft für Juden wie Nichtjuden (hier genannt: "Griechen", an anderen Stellen: "Heiden") gleichermaßen. Das Problem, was damit entsteht: Das Evangelium findet Annahme bei denen, die mit dem Gott Israels vorher nichts zu tun hatten. Sie sind aber eindeutig die "Zweitempfänger" des "Evangeliums Gottes" (Römer 1,1), denn als erstes hat Gott sich dem Volk Israel zugewandt und mit ihm einen Bund geschlossen. Genau dieses Volk aber lehnt zum größeren Teil das "Evangelium von seinem Sohn" (Römer 1,3) ab.

Rücken sie damit für Paulus als einem Evangelisten ohne das jüdische Gesetz, d. h. ohne Beschneidungsverpflichtung und ohne Reinheitsvorschriften, ins zweite Glied? Hierin könnte der Verdacht besonders der aus dem Judentum stammenden Christen der römischen Gemeinde liegen, auf den Paulus reagieren muss, und zwar aus theologischen Gründen wie auch aus "praktischen" Gründen: Er möchte ja in Rom während seiner nächsten Missionsreise Richtung Spanien Zwischenstation machen! 

 

Verse 1-2

Der Einstieg ist zutiefst emotional und zugleich - das machen der Hinweis auf "Christus" selbst, auf den "Heiligen Geist" und auf das "Gewissen" deutlich - von einer tiefen Wahrheit erfüllt. Im Grunde stellen sich die "Trauer" und der "Schmerz"1  als die andere Seite der euphorischen Hoffnungsgewissheit aus Kapitel 8 dar. Wenn alle dem Leben seine Perspektive gebende "Herrlichkeit" an Christus hängt, dann muss es Paulus mit Schmerz erfüllen, wenn jemand diesen Zugang zur "Herrlichkeit" ablehnt. 

Dies gilt umso mehr, als das jüdische Volk eben nicht nur irgend-"jemand" ist!

 

Vers 3

Zunächst einmal sind es seine "Brüder". Wie bereits im Buch Deuteronomium, für das die Rede vom "Bruder" innerhalb der 5 Bücher besonders typisch ist, hat der Begriff eine weite, das heißt Frauen einschließende Beudeutung. Diese "Geschwisterschaft" bezieht sich zum einen auf die physische Abstammung (vgl. Römer 11,1: "Ich frage also: Hat Gott sein Volk verstoßen? Keineswegs! Denn auch ich bin ein Israelit, ein Nachkomme Abrahams, aus dem Stamm Benjamin." und früher bereits in Philipper 3,5. "Ich wurde am achten Tag beschnitten, bin aus Israels Geschlecht, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, nach dem Gesetz ein Pharisäer;"). Sie  ist aber ebenso religiös begründet: Denn alle zum Volk Israel Gehörenden verdanken sich der Erwählung ein und desselben Gottes, das dieses Volk zu seinem "besonderen Eigentum" auserkoren hat (vgl. Exodus/2. Buch Mose 19,5-6). Als "Gottesvolk" sind sie Gottes "Verwandtschaft" (diese Bedeutung steckt im hebräischen Wort für "Volk": ʻamm) und als solche eben "Brüder/Geschwister".

Dass zwischen Paulus und sie aufgrund des Christusbekenntnisses ein Riss geht, tut ihm derart weh, dass er sogar bereit wäre, aus dem in Christus beschlossenen Heil selbst ausgeschlossen zu sein, wenn nur ihnen allen Gottes Heil gälte. Paulus wirft sein Leben in die Wagschale zugunsten seiner Geschwister, wie einst Mose es in der Wüste angesichts des goldenen Kalbes tat: "31 Mose kehrte zum HERRN zurück und sagte: Ach, dieses Volk hat eine große Sünde begangen. Götter aus Gold haben sie sich gemacht. 32 Jetzt nimm ihre Sünde von ihnen! Wenn nicht, dann streich mich aus dem Buch, das du geschrieben hast" (Exodus 32,31-32).

 

Verse 4-5a

Während Vers 3 als im letzten doch noch eher emotionales Argument abgetan werden könnte (vgl. aber die ergänzende Betrachtung zu Vers 3 und Psalm 73 unter "Auslegung), ruft Paulus in Vers 4 die religiöse Sonderstellung des Judentums, seine theologischen Alleinstellungsmerkmale auf den Plan.

  1. Er nennt die jüdischen Geschwister bei ihrem Ehren- und Erwählungsnamen "Israeliten", der zurückgeht auf den Stammvater Jakob. Seit seinem eigenartigen Gotteskampf an der Flussfurt des Jabbok trägt er den Namen "Gottesstreiter": ("Er sagte: Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel - Gottesstreiter - ; denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und gesiegt"  (Gen 32,29). 
  2. Ehe von den Christen als "Söhnen [und Töchtern] Gottes" gesprochen werden darf, gilt die Sohnschaft, die Paulus in Galater 4,52 für die Christen insgesamt reklamiert, für Israel. Als Basistext sei aus vielen möglichen Belegen nur Hosea 11,1 angeführt. "Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb, ich rief meinen Sohn aus Ägypten."
  3. Die "Herrlichkeit", die in Kapitel 8 von so großer Bedeutung als Sammelbegriff dessen ist, woraus und worauf hin Christen leben (s. besonders die Ausführungen zur Zweiten Lesung am 15. Sonntag), bezeichnet zunächst einmal die Gegenwart Gottes, welche mit dem Zion verbunden ist (vgl. die Herrlichkeitstheologie des Buches Ezechiel [besonders Ezechiel 43,2-5]; vgl. aber auch z. B. Ps 26,8: "HERR, ich liebe die Stätte deines Hauses und den Wohnort deiner Herrlichkeit.")
  4. Es ist die Geschichte Israels, die sich durch "Bundesschlüsse" Gottes mit seinem Volk auszeichnet, von Noah, Abraham, Isaak und Jakob über Mose bis zu David. Von einer Kündigung des Bundes durch Gott mit seinem Volk ist nirgends die Rede und Paulus muss schon sehr gewunden argumentieren, wenn er in 2 Korinther 3,14 diesen Bundesgedanken relativieren bzw. für das Verhältnis Gott - Christen stark machen will: "Doch ihr Denken wurde verhärtet. Denn bis zum heutigen Tag liegt die gleiche Hülle auf dem Alten Bund, wenn daraus vorgelesen wird; sie wird nicht aufgedeckt, weil sie in Christus beseitigt wird."
  5. Der Vorrang von "Verheißungen" und "Gottesdiensten" für das jüdische Volk steht per se außer Frage. Denn Christen können allerhöchstens an Erfüllungen von Verheißungen, die eben an Israel ergangen sind; und die frühen christlichen Gottesdienste orientieren sich an jüdischen Gottesdienstmodellen.
  6. Das unter 5. Gesagte gilt auch bezüglich der "Väter" [und "Mütter] Israels, auf die Paulus so gerne zurückgreift: Abraham, Isaak, Jakob sowie deren Frauen, von denen Paulus im Galaterbrief besonders Abrahams Frau Sara und seine Nebenfrau Hagar herausgreift (vgl. Gal 4,21-31).
  7. Das absolut nicht zuüberbietende Argument zugunsten des jüdischen Volkes ist aber, dass Jesus selbst aus diesem Volk stammt.

 

Vers 5b

Angesichts dieser Vorzüge des Volkes Israels kannPaulus nur eine sogenannte Eulogie, einen Lobpreis auf Gott anschließen, der seine Entsprechung am Ende der gesamten Ausführungen in Römer 11,33-36 findet.

Gerade durch diese lobpreisende Rahmung, die Anfang und Schluss der Gedankenführung miteinander verbindet, wird die unausgesprochene Botschaft des Paulus erkennbar: Wenn Gott sein Volk mit solchen Vorzügen ausgestattet hat, wird er es auch trotz seiner Ablehnung des "Evangeliums von seinem Sohn Jesus Christus" (Römer 1,3) nicht im Stich lassen und aufgeben. Er wird in seiner "Weisheit" (Römer 11,33!) einen Heils-Ausweg für Israel finden. 

1

Auslegung

Die Lösung des Problems des Paulus

Mit Kapitel 9 eröffnet Paulus einen Spannungbogen, der erst im 11. Kapitel zu seinem Abschluss und seiner Lösung kommt. Die Leseordnung verkürzt diesen Bogen, indem sie bereits am kommenden Sonntag in das Kapitel 11 springt. Allerdings ist auch dann der entscheidende Vers leider nicht zur Lektüre vorgesehen. Er lautet:

"Vom Evangelium her gesehen sind sie [d. h. die Juden] Feinde, und das um euretwillen; von ihrer Erwählung her gesehen aber sind sie Geliebte, und das um der Väter willen" (Römer 11,28)

Paulus vertritt also die Doppelthese, dass die Nichtannahme des christlichen Glaubens durch den weitaus größten Teil des jüdischen Volkes letztlich von Gott her dem Wachstum des Christentums außerhalb des Judentums dient ("um euretwillen"); andererseits bedeutet dies aber, solange es an seinem Gottesglauben festhält, keine Verwerfung des ersterwählten jüdischen Volkes, sondern Gott wird für dieses Volk, das er liebt, auch einen Heilsweg ohne Christusglauben finden. 

Der von Paulus gewählte Begriff "Feinde" im Sinne von "Feinde Gottes" ist ein extrem harter und wehe dem, der ihn aus seinem Kontext zieht und ihn zur schmähenden Kennzeichnung der "Geliebten Gottes" verwenden würde. Paulus nutzt ihn übrigens gleichermaßen auch für die Heidenchristen zur Kennzeichnung ihres Status vor der Taufe:

"Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Gottes Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind, gerettet werden durch sein Leben." (Röm 5,10)

In Kapitel 1-3 hatte Paulus die grundsätzliche Sündhaftigkeit aller Menschen festgestellt - egal ob der Juden, die das Gesetz/die Torah haben, die sie nicht vollkommen halten, oder der Heiden, die zumindest ein Gewissen haben, aber sich nicht danach richten.  Diese Sündhaftigkeit versteht er als Getrenntsein von Gott und wählt dafür den Begriff "Feindschaft". Auf sie antwortet Gott mit Versöhnung. Sie ist für Paulus in Tod und Auferweckung Jesu endgültig geschehen. 

Wer diesen Versöhnungsweg Gottes im Glauben an die Heilsbedeutung von Tod und Auferweckung Jesu nicht annimmt, bewegt sich in Konsequenz diser Vorstellung weiterhin in der Feindschaft mit Gott. Das gilt dann auch für die, von denen aber gleichzeitig gesagt werden muss, dass ihnen Gottes Liebe in besonderer Weise gilt.

Der Ausweg aus dem Dilemma liegt für Paulus in einer geheimnisvollen Pädagogik Gottes: Das Verbleiben der Juden in ihrer  Haltung dr Feindschaft, also der Ablehnung der Heilsbedeutung Jesu, dient der Ausbreitung des Glaubens an denselben Gott, der sich zuerst Israel offenbart hat, unter den Nichtjuden - nun aber nicht unter dem Vorzeichen des Gesetzes, sondern von Gottes Handeln in Jesus Christus. Für das Judentum aber wirkt über die Zeit der "Feindschaft" hinweg Gottes Treue, seine Selbstbindung an Israel seit Väterzeiten. Und aus dieser Treue wird er am Ende auch den Juden die versöhnende Barmherzigkeit aufstrahlen lassen, die in Jesus erschienen ist und die er als auferweckter und erhöhter Herr allen, also auch ganz Israel zuwenden wird, weil er "für alle gestorben" ist (2 Korinther 5,14).

 

"... um meiner Brüder willen" (Vers 3)

Man könnte in der heutigen Zeit des Individualismus vielleicht darüber verwundert sein, welche Bedeutung für Paulus seine Eingebundenheit in die Gemeinschaft des jüdischen Volkes hat. Er will lieber "von Jesus Chrsitus getrennt sein" - also auf alle Heilsfolgen seines Glaubens verzichten und damit ein "Verfluchter" sein - wenn darin eine Möglichkeit läge, seine Glaubensgeschwister zum Glauben an Jesus Christus und damit zur Teilhabe an seiner "Herrlichkeit" bewegen könnte. 

Auch wenn bereits aus der Schrift klar ist, dass Gott solche Selbstverfluchung nicht akzeptiert (vgl. die Ablehnung des Angebots des Mose, angesichts des goldenen Kalbes die verdiente Strafe des Volkes auf sich zu nehmen, in Exodus 32,33 ("Der HERR antwortete Mose: Nur wer gegen mich gesündigt hat, den streiche ich aus meinem Buch."), ist diese Einbindung des Einzelnen in die Volksgemeinschaft durchgehend im Alten Testament erkennbar. Bereits geschichtlich gehören für Israel das Zusammenwachsen zu einem Volk und schließlich zu einem Staat und die Entstehung einer Glaubensgemeinschaft zusammen. Das bestimmende Ethos, das mit dem Begriff "Gerechtigkeit" umschrieben wird, ist als "Gemeinschaftstreue" zu verstehen. Entscheidend ist also, was der Gemeinschaft nützt. 

Und in den Psalmen wird erkennbar, dass der bzw. die Einzelne sich immer als Teil der Glaubensgemeinschaft versteht, und zwar sowohl im Blick auf alle auch schon verstorbenen Generationen, aber natürlich auch auf die aktuell zum Gottesdienst versammelte Gemeinde. Aus dem Erfahrungsschatz dieser Glaubensgemeinschaft lebt der betende Mensch und stiftet wiederum in sie seine Glaubenserfahrungen ein, damit andere sich darauf stützen können.

Dieses Gefühl der Verbundenheit ist so eng, dass Psalm 73 einen Betenden erkennen lässt, der aufgrund seines Glaubenszweifels die Glaubensgemeinschaft verlassen will. Und er bringt es doch nicht fertig: "Hätte ich gesagt: Ich will reden wie sie, siehe, ich hätte das Geschlecht deiner Kinder verraten" (Psalm 73,15).

Diese tiefe Solidarität, die nichts mit politischem Nationalismus zu tun hat, sondern von der Notwendigkeit des Du für die Existenz des Ich weiß, die Gott in die Herzen gepflanzt hat, bewegt auch den Juden Paulus, wenn er um seine von ihm getrennten Glaubensgeschwister trauert.

Kunst etc.

Stammbaum Jesu, Stift St. Lambrecht, CC BY-SA 4.0, Rollroboter, 12.6.2015
Stammbaum Jesu, Stift St. Lambrecht, CC BY-SA 4.0, Rollroboter, 12.6.2015

"... ihnen entstammt der Christus dem Fleische nach" (Vers 5)

Genau dieser Tatsache, dass Jesus hineingeboren wurde in das jüdische Volk und damit als Jude groß geworden ist und gelebt hat, dienen die beiden Stammbäume, die Matthäus 1 und Lukas 3 in ihren Evangelien bieten, die aber auch zu zahlreichen Darstellungen in Kirchengemälden geührt haben. Das Beispiel aus dem österreichischen Benediktinerstift St. Lambrecht in der Steiermark ist ein beonders prächtiges.

Die konkrete Form des Stammbaums dürfte Paulus, der einige Jahrzehnte vor Matthäus und Lukas schreibt, noch nicht gekannt haben. Aber dennoch trägt er keinerlei Zweifel an der Einordnung Jesu ins Judemtum "dem Fleische nach". So heißt es bereits am Beginn des Römerbriefs:

"... 3 das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, 4 der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten, das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn" (Römer 1,3-4).

Auch Galater 4,4 gehört hierhin:

"Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, ..."

Die Argumentation in Römer 9,5 lautet natürlich: Wie könnte Gott das Volk preisgeben, aus dem er seinen eigenen Sohn hat hervorgehen lassen?!