Lesejahr A: 2019/2020

2. Lesung (1 Kor 10,16-17)

16Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?

17Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot.

Überblick

Wenn aus vielen eins wird, dann liegt es an dem Einen, der sie verbindet.

 

1. Verortung im Brief
Paulus widmet sich im 1. Brief an die Gemeinde in Korinth (1 Kor) sehr ausführlich aktuellen Problemen der Gemeinde, aber auch Themen, die ihm selbst für die Gemeinde wichtig erscheinen. Dabei ist es bedeutsam, dass Paulus nach der Gründung der Gemeinde (50/51 n. Chr.) mit dieser über Briefe, aber auch mündliche Berichte von Mitarbeitern etc. in Kontakt bleibt. Der 1. Korintherbrief, den Paulus um das Jahr 54 n. Chr. aus Ephesus schreibt, gibt somit einen tiefen Einblick in die Fragen und Herausforderungen einer jungen christlichen Gemeinde.

In den Kapiteln 8-11 widmet sich Paulus dabei der Frage nach der Feier des Herrenmahls und dem Umgang der Gemeinde mit den heidnischen Kulten, die sie früher praktizierten oder die das gesellschaftliche Leben der Stadt im römischen Reich prägen. Die beiden Verse 1 Kor 10,16-17 stammen aus einem längeren Abschnitt, der die Unvereinbarkeit von Herrenmahl und Götzenopfermahl zum Thema hat.

 

2. Erklärung einzelner Verse

Vers 16: Paulus formuliert einen sehr pointierten und leicht merkbaren Satz, der ihm so womöglich bereits als Tradition vorlag. Es könnte sich dabei um eine Art Merksatz zum Verständnis der Eucharistie handeln wie er in katechetischen Kontexten benutzt wurde oder um einen Abschnitt aus einem liturgischen Gebet. Der Begriff „Kelch des Segens“ gehört in den jüdisch-christlichen Sprachgebrauch, die Rede vom „Brechen des Brotes“ entstammt auch diesem Kontext, ist aber durch die frühchristliche Mahlfeier stark als Merkmal der christlichen Gemeinde geprägt (z.B. Apostelgeschichte 2,42).
Besondere Bedeutung hat für Paulus an dieser Stelle aber der Begriff der „Teilhabe“, den er aus der griechischen Sakralsprache leiht. Im Griechischen steht dort der Begriff „Koinonia“ (κοινωνία), der neben Teilhabe auch Gemeinschaft, innige Beziehung bezeichnet. Wie sich in der Kombination mit Vers 17 zeigt, hat diese Teilhabe eine zweifache Ausrichtung. Zum einen sind Kelch und Brot des Herrenmahls Momente der innigen Beziehung zu Jesus Christus. Denn im Essen und Trinken vollzieht sich die Teilhabe am Erlösungsgeschehen von Tod und Auferstehung Jesu.

 

Vers 17: Zum anderen stiftet das gemeinsame Feiern des Herrenmahl Gemeinschaft untereinander. Indem die Christen in Korinth gemeinsam Anteil haben am Erlösungsgeschehen, sind sie darin auch miteinander verbunden. Sie essen von dem einen Brot, d.h. dem einen Leib des Herrn und werden so auch zu einem Leib zusammengefügt. Hier klingt schon das Bild vom einen Leib und den vielen Gliedern an, das Paulus in Kapitel 12 weiter ausführen wird, um die Gemeinde in ihrem Miteinander und ihrem Verwiesen Sein aufeinander zu bestärken. Dass die Vielen dennoch einen Leib bilden, ist im ersten Korintherbrief ein durchgängig wichtiges Motiv, denn in der Gemeinde gibt es aus unterschiedlichen Gründen Differenzen: Parteiungen für bestimmte Glaubenszeugen (1 Kor 1,12), unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf die Geistesgaben (1 Kor 12,1-11), Diskussionen um das Verständnis der Auferstehung (1 Kor 15,12). Es ist durchaus denkbar, dass im Herrenmahl tatsächlich auch ein Brot verwendet wurde, um diese sensible Einheit der Gemeinde und Zugehörigkeit zu dem einen Herrn Jesus Christus zu verdeutlichen.

Auslegung

Das eine Brot bzw. der eine Leib Christi ist für den Apostel Paulus das nicht infrage zu stellende Zeichen der Einheit der Gemeinde, so macht er es den Christen in Korinth in diesen zwei Versen deutlich. Gemeinsam an etwas teilzuhaben, verbindet die Teilhaber zu einer Einheit, sie werden selbst zu dem, was sie verbindet: Ein Leib in Jesus Christus. Der Heilige Augustinus, Bischof von Hippo, hat dies im 4. Jahrhundert einmal so ausgedrückt: „Euer Geheimnis liegt auf dem Tisch des Herrn: ihr empfangt euer Geheimnis… Seid, was ihr seht, und empfangt, was ihr seid!“ Diesen Satz richtete er an Neugetaufte, die das erste Mahl an der Eucharistie teilnahmen. Augustinus will damit für das Wachhalten, was Paulus auch den Korinthern mahnend sagt. Leib und Blut Jesu zu empfangen zieht die Konsequenz nach sich auch selbst der eine Leib zu werden, den man empfangen hat. Dies ruft dazu auf Spaltung und Streit in der Gemeinschaft zu überwinden und vor alles Trennende das Verbindende zu stellen.