Lesejahr A: 2019/2020

2. Lesung (Röm 6,3-4.8-11)

3Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?

4Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln.

8Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.

9Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.

10Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott.

11So begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.

Überblick

Die Taufe verbindet nach Paulus den Menschen mit dem Sterben und der Auferweckung Jesu Christi aus dem Tode. Zugleich unterstellt sie ihn auch einem neuen Lebensprinzip: Nicht das, was nur einem selbst nutzt und dem Anderen schadet, (das meint "Sünde") ist bestimmend, sondern die Liebe, die Jesus vorgelebt hat und sogar in den Tod hat gehen lassen. Damit übernimmt in der Taufe fortan Christus selbst das Sagen. 

 

Vorab-Bemerkung

Wem die heutige Lesung bekannt vorkommt, vertut sich nicht. Der Lesungsabschnitt ist die etwas gekürzte Wiedergabe derselben Perikope, die bereits in der Osternacht als neutestamentliche Lesung (Epistel) vorgetragen wurde. Da zurzeit - nach den Lesungen aus dem Ersten Petrusbrief an den Sonntagen der Osterzeit - die Zweiten Lesungen aus dem Römerbrief genommen sind und die fortlaufende Lektüre des Römerbriefs soeben bei Kapitel 6 angekommen ist, konnte dieser zentrale Abschnitt nicht weggelassen werden. Die Auslegung ist gegenüber der Osternacht nur bezüglich der Auslassungen leicht verändert.

 

Einordnung der Lesung in den Zusammenhang

Im Römerbrief, in dem Paulus sich der christlichen Gemeinde von Rom vorstellt, die er nicht gegründet hat, demnächst aber besuchen will, widmet er sich in den ersten Kapiteln unter verschiedenen Blickwinkeln dem Phänomen der Sünde. Das klingt wenig einladend und ansprechend, hat aber seinen tiefen Grund. Sünde ist für Paulus ein Menschheitsphänomen. Da gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden. Diese werden biblisch immer "Heiden" genannt, was aber keine sehr glückliche Bezeichnung ist. Paulus geht es einfach um die Gegenüberstellung der jüdischen Glaubensgemeinschaft, aus der er selbst stammt und die sich auf die Offenbarung der Weisungen Gottes am Berg Sinai stützt (das sog. "Gesetz", oder hebräisch: Torah), und allen anderen Menschen dieser Welt, die die dieses göttliche Gesetz nicht haben bzw. nicht kennen. Die Juden sind "Sünder", weil kein Mensch das göttliche Gesetz aufgrund seiner menschlichen Schwachheit vollkommen einhalten kann. Die "Heiden" haben zumindest aus ihrem Gewissen heraus ein Gespür für Gut und Böse, sind aber genau so zu schwach, immer nur das Gute zu tun. 

Dieser - je nach Sichtweise - realistischen oder pessimistischen Sicht vom Menschen stellt Paulus eine These entgegen: Auch wenn gilt: "Es gibt keinen, der gerecht ist, auch nicht einen" (Röm 3,10) - d. h.: es gibt faktisch keinen, der nicht sündigt -, gilt auch: "Umsonst werden sie [das sind: alle, die glauben] gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus" (Röm 3,24) - also: Vor Gott besteht jeder trotz seiner Sünde, wenn er glaubt. Ohne die dahinter stehenden Gedanken hier darlegen zu können, könnte aus dieser Wendung ins Positive ein Missverständnis entstehen, das in der Gemeinde von Rom entweder tatsächlich vorkam oder von Paulus nur vermutet wird. Paulus kleidet es in eine Frage: "Sollen wir an der Sünde festhalten, damit die Gnade umso mächtiger werde?" (Röm 6,1). Genau auf diese Frage und die damit angefragte Position: "Wenn Gott uns in Jesu Tod und Auferweckung eh vergeben hat, können wir auch fleißig weiter sündigen." antwortet Paulus mit dem Abschnitt der Lesung.

 

Verse 3-4: Mitsterben und Mitleben I

Sein Argument ist dabei die Taufe. Sehr überraschend deutet Paulus sie nicht einfach als Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen, auch nicht als Reinigung (z. B. von Sünden) - was der Gebrauch des Wassers nahelegen könnte. Vielmehr ist sie ein Hineinnehmen (nicht Nachspielen) des Täuflings in das Heilsgeschehen von Tod und Auferweckung Jesu. Das Eintauchen in das Wasser - im Ursprung ein wirkliches vollständiges Tauchbad in einem Bodenbecken (s. Kunst etc.) - symbolisiert Tod und Begräbnis. Das Wiederauftauchen symbolisiert die Neugeburt des "Toten", seine Auferweckung als neuer Mensch.

Scheinbar hat diese tiefe Deutung der Taufe noch nichts mit der Ausgangsfrage nach dem "Weitersündigen" zu tun. Es geht erst einmal um die Bedeutung der Auferweckung Jesu für eine/n jede/n Glaubende/n. Die Rettung Jesu aus dem Tode ist nicht etwas, was nur ihm galt, sondern in Jesus sagt Gott die Auferweckung zum ewigen Leben einem jeden zu, der an ihn und Jesus Christus glaubt. Der Mensch darf also in der Hoffnung auf sowie in der Vorfreude über seine unendliche Zukunft bei Gott leben - schon jetzt. Das sagt die Taufe ihm zu.

 

Verse 8-9: Mitsterben und Mitleben II

Im Grunde wiederholen die Verse 8-9 das in Vers 3-4 Gesagte, oder besser: Sie verstärken es. Dabei entsprechen sich die beiden Verspaare spiegelbildlich:

Das innere Entsprechungspaar bilden die Verse 4 und 8. Im Vordergrund steht das Thema Auferweckung und ewiges Leben als eigentliche Zielbestimmung sowohl Christi selbst als auch derer, die an ihn glauben.

Verse 4 und 8 betonen mehr den Tod, ohne den es keine Auferweckung geben kann. Auffallend ist in diesen beiden Versen die Rede vom "Wissen", das nicht naturwissenschaftliche Beweisbarkeit, sondern eine tiefe Glaubensgewissheit meint. Paulus trägt diesen zur "Wissens-Gewissheit" gewordenen Glauben mit sich aufgrund einer ihn offensichtlich innerlich erschütternden, persönlichen Christuserfahrung. Von dieser berichtet er selbst im Galaterbrief mit den nüchternen Worten, dass Gott "in ihm" (also im innersten des Paulus) seinen Sohn offenbart habe (Galater 1,15-16). Darüber hinaus hat er diesen Glauben in der Jerusalemer Urgemeinde durch die Weggefährten Jesu sowie in der christlichen Gemeinde von Antiochien durch die allerersten "Neubekehrten" kennengelernt. Und diesen zur "Wissengewissheit" gewordenen Glauben von der Heilsbedeutung von Tod und Auferweckung Jesu setzt er auch bei den römischen Christen voraus, auch wenn diese Gemeinde durch andere Missionare als ihn begründet worden ist.

Dass Paulus sich auf so kurzem Raum wiederholt, erklärt sich durch die für die Lesung fortgelassenen Verse 5-7. In ihnen hat er übergeleitet zum eigentlichen Hintergrundthema "Sünde" (s. o. unter "Einordnung der Lesung in den Zusammenhang). Um aber deutlich zu machen, dass beide Themenbereiche - Tod und Auferweckung einerseits und Sünde bzw. Befreiung von der Sünde andererseits - einen engen Zusammenhang bilden, wobei Tod und Auferweckung das eigentliche Fundament bedeuten, wird dieses noch einmal in Erinnerung gerufen.

 

Verse 10-11: Den falschen Wegen "absterben"

Die Verse 10-11 führen aus der eher "theoretischen" Betrachtung des Zusammenhangs von Sterben und Auferweckung, Sünde und Befreiung daraus, der der Taufe ihren eigentlichen Sinn gibt, auf die Ebene der Handlung:  Die Taufe bewirkt und symbolisiert nicht nur einen Wechsel von der Endlichkeit ("Mit dem Tod ist alles aus") zur Ewigkeit ("Der Tod ist die Pforte zum ewigen Leben."), sondern auch einen Herrschaftswechsel: Nicht Willensschwäche und Sünde beherrschen den Menschen, sondern Christus und die Entschlossenheit, ihm im Handeln zu folgen. Darin liegt ein Auftrag, der sich von anderen Paulusworten her umschreiben kann: Wer den gekreuzigten und auferweckten Christus als Herrn anerkennt, wird im Handeln - wie Christus selbst - von sich selbst absehen zugunsten des Anderen. "Den anderen höher schätzen als sich selbst" nennt Paulus das in Philipper 2,3.

Diese zweite Wandlung des Menschen in der Taufe - der Herrschaftswechsel - schließt damit die Idee eines "fröhlichen Weitersündigens", also das "Sich selbst höher schätzen als den anderen" aus (vgl. dazu Römer 6,15: "Was heißt das nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade? Keineswegs!"). Sie würde geradezu widerlegen, dass man zu Christus gehören will. Anders gesagt: Wer sündigt, kann sich nicht rechtfertigend auf das Ostergeheimnis berufen. Andererseits gilt:  Genau wegen dieses Ostergeheimnisses von Tod und Auferweckung Jesu dürfen die Glaubenden hoffen, dennoch am Ende nicht von Gott verworfen zu werden. 

Auslegung

"Wisst ihr denn nicht ...?" (Vers 3)

Es ist schon erstaunlich: Paulus bewegt sich - man möchte fast sagen: ausschließlich - in der Welt des Glaubens, auch wenn er diesen nie losgelöst von der realen Welt und der Gestaltung des Alltagslebens verkündet. Und dennoch verwendet er, wenn man Römer 6,3-11 vollständig lesen würde (wie in der Osternacht) allein in diesen wenigen Versen zweimal das Wort "wissen". Und das ist bei ihm keine Ausnahme (vgl. z. B. Römer 8,22.28; 1 Korinther 2,2; 8,4 u. ö.)

Dabei verbindet der Mensch von heute "Wissen" wohl eher mit nachprüfbaren Fakten und Naturwissenschaft. Dieses basiert jedoch auf Beobachtung und nicht auf Glauben. Wie meint dann aber Paulus dieses Wort?

Er verwendet es wohl gerade in diesem Lesungsabschnitt in drei Bedeutungen. Zum einen fragt er die Gemeinde von Rom an, ob sie denn nicht durch die Gründungsmissionare und -missionarinnen (zu denen Paulus nicht gehört hat)  die Botschaft von Kreuz und Auferweckung und das damit verbundene Taufverständnis kennengelernt hätten. Da Missionierung immer zur Taufe führte, setzt Paulus eine entsprechende Vorbereitung darauf voraus. Die Frage "Wisst ihr denn nicht ...?" erinnert also an die Anfangsverkündigung in Rom und ruft gelerntes Wissen ab: "Glaubenswissen". Die Frage lautet also eigentlich: "Erinnert ihr euch .... ?"

Dieses Glaubenswissen birgt immer auch das Risiko, zwar gelernt, aber nicht nur vergessen, sondern vor allem auch nicht verstanden worden zu sein. So ruft Paulus mit seiner Frage nicht nur in Erinnerung, sondern fragt zugleich an: "Habt ihr denn nicht begriffen, was damit gemeint war, als man euch sagte: 'In der Taufe werden wir mit Christus begraben ....'?" "Habt ihr überhaupt die Konsequenz dieses 'Glaubenswissens' begriffen? Sonst kämt ihr nicht auf die merkwürdige Idee: Wir dürfen ruhig weiter sündigen." (Es wird nicht erkennbar, ob Paulus hier ein mögliches Missverständnis theoretisch vorwegnimmt oder von entsprechenden Missverständnissen in der Gemeinde gehört hat.)

Der Umschwung zum "Wir wissen doch ..." (Vers 6), das Paulus selber einschließt, lässt aber noch eine andere Dimension des Wissens aufscheinen: Paulus ist von dem, was er im Glauben verkündet, zutiefst und auch mit der letzten Faser seines Leibes überzeugt. Auch wenn von außen, aus der Perspektive außerhalb des Glaubens, natürlich zwar nicht die  historische Kreuzigung, aber deren christliche Deutung und erst recht die Auferweckung Jesu angefragt werden können, gibt es für Paulus selbst nicht den Hauch eines Zweifels. An die Wahrheit dessen, was er sagt, bindet er seine eigene Existenz und die Existenz derer, zu denen er spricht und die ihm ein Herzensanliegen sind: Dies macht nichts so sehr deutlich wie die eigentliche "Osterpredigt" des Paulus  in 1 Korinther 15,12-18:

12 Wenn aber verkündet wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht? 
13 Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. 
14 Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube. 
15 Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt. Er hat ihn eben nicht auferweckt, wenn Tote nicht auferweckt werden. 
16 Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden. 
17 Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden; 
18 und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren.

Dieses "Horrorszenario", ein falscher Zeuge für Gott zu sein, an der Wirklichkeit Gottes vorbei zu glauben und "leeres Zeug" zu verkünden, ist für Paulus unvorstellbar. Seine Verkündigung entspringt tiefster Gewissheit, und dehalb bindet er seine Existenz daran.

Damit kann man Paulus zumindest eines nicht absprechen, und das ist ein hohes Gut in der kirchlichen Verkündigung: Authentizität. Sie ist eine wesentliche Voraussetzung, dass aus Verkündigung überhaupt Glauben erwachsen kann, ein Glaube, der am Ende tragfähiger sein kann als pures, noch so abgesichertes Wissen. Das gilt in besonderer Weise vom Osterglauben, der für Paulus "Wissens-Gewissheit" hat und der Sünde als Lebensmacht widersprechen lässt.

Deshalb heißt es auch bei jeder Taufe vor dem "Ich glaube." der Eltern, Paten und Mitfeiernden:  "Ich widersage" [dem Bösen/der Sünde]. Bei einer Erwachsenentaufe spricht der Täufling selbst diese Worte. Wenn immer sie gesagt werden oder auch beim KReuzzeichen, das ja letztlich an die eigene Taufe erinnert, darf die Frage gestellt werden, was Lebensgestaltung aus dieser Taufe heraus bislang bedeutet hat oder ab jetzt bedeuten könnte.

 

Warum so viel von "Sünde" sprechen? (Verse 10-11)

Es ist doch eher überraschend, dass jemand (Paulus) sich einer ihm persönlich unbekannten Gemeinde (Rom) vorstellt und sich vor allem über das Thema "Sünde" auslässt. Nun war dies für Juden - aus denen Paulus stammte -, deren Sündopferpraxis am Tempel die Sündhaftigkeit des Menschen voraussetzte wie auch die Psalmen immer wieder ein Sündenbewusstsein erkennen lassen - sicherlich noch gut nachvollziehbar, für einen römischen Bürger aber eher nicht, dem der Sündenbegriff fremd war. 

Doch abgesehen davon, dass für Paulus Kreuzestod und Sündhaftigkeit des Menschen einen engen Zusammenhang bilden und er das Kreuzesgeschehen als Erlösung  von den tödlichen Sündenfolgen versteht, lässt sich noch eine ganz andere Bedeutsamkeit aufzeigen, die der Philosoph Jürgen Habermas in seiner Dankesrede beim Empfang des Friedenpreises des Deutschen Buchhandels (2001) formuiert hat:

"Als sich Sünde in Schuld, das Vergehen gegen göttliche Gebote in den Verstoß gegen menschliche Gesetze verwandelte, ging etwas verloren. Denn mit dem Wunsch nach Verzeihung verbindet sich immer noch der unsentimentale Wunsch, das anderen zugefügte Leid ungeschehen zu machen. Erst recht beunruhigt uns die Irreversibilität vergangenen Leidens - jenes Unrecht an den unschuldig Misshandelten,Entwürdigten und Ermordeten, das über jedes Maß menschenmöglicher Wiedergutmachung hinausgeht. Die verlorene Hoffnung auf Resurrektion [d. h. Auferstehung] hinterlässt eine spürbare Leere." (https://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/sixcms/media.php/1290/2001_habermas.pdf, im Dokument: S. 13).

Mit anderen Worten: Ohne die Rede von der Sünde, die Gott als ein den Menschen überschreitendes Gegenüber einschließt, das aus dem innermenschlichen, letztlich tödlichen Schuldzusammenhang herausführen kann (Vergebung, ewiges Leben), hat die Gesellschaft keine wirkliche Antwort auf das Phänomen menschlichen Versagens, ganz besonders da, wo unumkehrbar Schlimmes geschieht (Mord, Missbrauch, Ruinierung eines Menschenlebens oder gar vieler Menschen). 

Die Gesellschaft kennt zwar Mechanismen, damit "umzugehen", wie z. B. Bagatellisierung von Schuld, Zuweisung von Schuld an "die anderen", die Neutralisierung: "Keiner ist Schuld.", öffentliche Sündenbocksuche, Verdrängung - aber all das sind keine wirklichen Antworten. Noch weniger gilt dies, wenn auf Schuld mit Todesstrafe reagiert wird. Sie ist letztlich Ausdruck absoluter Hilflosigkeit und zeugt nur scheinbar von Macht. Genau dies entlarvt der Tod Jesu am Kreuz als Hinrichtung eines Unschuldigen.

In ihm, im Geheimnis des Todes Jesu am Kreuz und seiner Auferweckung von den Toten, sieht Paulus eine tragfähige Antwort auf das Phänomen Schuld gegeben, die es für ihn immer nur in der Form der Sünde gibt. Im Kreuzestod des unschuldigen Jesus hat sich alle Unheilsmacht der Sünde sozusagen verausgabt und lief ins Leere, weil sie das angestrebte Ziel, den endgültigen Tod, nicht erreichen konnte. Gott hat einen Strich durch diese Rechnung gemacht, indem er den wirklich Toten aus dem Tod ins Leben auferweckte. Diesem neuen Leben kann keine Sünde (z.B. Gewalt) etwas anhaben.

Wer dies glauben kann - so Paulus - wird selber in diesen Wandel vom Tod ins Leben mit hineingenommen: nicht erst beim eigenen biologischen Sterben, sondern schon jetzt. Wer auf die Auferweckung hoffen kann (vgl. Habermas), lebt schon jetzt anders - ohne die von Habermas benannte "spürbare Leere", die oft neue Schuld gebiert.

Kunst etc.

Übergabe Rohbau Baptisterium Kölner Dom, © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Übergabe Rohbau Baptisterium Kölner Dom, © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Aus dem 6. Jh. n. Chr. stammt das Taufbecken, das man bereits im 19. Jh. erstmals an der Außenwand des Chores des Kölner Doms geufunden hat. Es ist der älteste Taufort Kölns und gibt einen Eindruck von dem alten Taufritus wieder, den Paulus im Römerbrief vor Augen hat. Da zur Zeit des Paulus wohl nur Erwachsene getauft wurden, konnten diese über eine Treppe in das Innere des Taufbeckens hineinsteigen und tauchten vollständig unter bzw. wurden durch den Taufenden vllständig untergetaucht. Dies geschah wohl dreimal im Namen des dreifaltigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Es ist diese Zeremonie, die Paulus darauf ausdeutet, dass der Täufling mit Christus begraben wird und mit ihm aufersteht, dass der der Sünde unterstellte Leib mit Christus gekreuzigt und auferweckt wird.