Lesejahr A: 2019/2020

2. Lesung (1 Petr 4,13-16)

13[Stattdessen] freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln.

14Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr seligzupreisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch.

15Wenn einer von euch leiden muss, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt.

16Wenn er aber leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott darin verherrlichen.

Überblick

Der Leidensdruck der Gemeinden, an die sich der Erste Petrusbrief wendet, muss groß gewesen sein, wenn  der Verfasser im vierten Kapitel schon zum wiederholten, jetzt aber letzten Mal den leidenden Christus in den Mittelpunkt rückt. Dabei geht es nicht nur um Vorbild und Nachahmung. Nie verliert der Erste Petrusbrief aus dem Blick, dass Christi tödliches Leiden nicht das traurige Ende eines bedeutsamen Lebens war, sondern zum durch das Kreuz markierten "Ort" wurde, an dem Gottes schöpferische Macht neues Leben schuf. Die Erwartung des Anteils der Glaubenden auch an diesem ewigen Leben - eben nicht nur am Leid - lässt schon jetzt, gegen alle traurige Realität - von "Herrlichkeit" sprechen.

 

Einordnung der Lesung in den Kontext

Nachdem bereits die Sklavenrede (1 Petr 2,18-25;  vgl. 4. Sonntag der Osterzeit) sowie die Anweisungen zur Verteidigung vor Gericht (1 Petrus 3,14-18; vgl. 6. Sonntag der Osterzeit) das Leiden der bedrängten Gemeinden und das Leiden Jesu Christi miteinander in Beziehung gesetzt haben, unternimmt das vierte Kapitel einen erneuten Anlauf. Dabei geht es nicht einfach um die Wiederholung desselben Themas, sondern der Verfasser findet immer wieder im Detail zu einer neuen Argumentation, mit der er eine Motivationshilfe in schwierigen Zeiten geben möchte. So steht 1 Petrus 4,1-8 unter der thesenartigen Überschrift:

"... denn wer im Fleisch gelitten hat, für den hat die Sünde ein Ende" (Vers 1b).

Nachdem dieser Gedanke entfaltet wurde, folgt in 1 Petrus 4,9-11 die fast schon liturgische Ermahnung (sie schließt mit dem Wörtchen "Amen") zu einem Leben, das schon in der Gegenwart - also nicht erst nach Abschluss allen Leidens - erkennen lässt, dass für Christinnen und Christen "die Sünde ein Ende" hat, also zumindest nicht mehr die beherrschende Kraft ihres Alltags ist. Als konkrete Beispiele werden "Besonnenheit", "Nüchternheit", "Liebe" und "Gastfreundschaft" genannt.

Nach dem abschließenden "Amen" aus Vers 11 überrascht es fast, dass der Brief ein weiteres Mal mit dem Thema "Leiden" anhebt. Es ist genau die Passage, aus der die heutige Lesung genommen ist. Mit den Versen 13-16 ist sozusagen das "Kernstück" aus dem Gesamtkomplex 1 Petrus 4,12-19 herausgeschnitten. Ausgelassen ist damit zunächst der Eröffnungssatz, der offensichtlich auch an das Gefühl der Adressaten appellieren will, wenn er sie als "Geliebte" anspricht (Vers 12) und zugleich ein starkes Bild ("Feuersglut") für die Situationsbeschreibung wählt sowie drohende "Verwirrung" als Gefahr benennt:

"Geliebte, lasst euch durch die Feuersglut, die zu eurer Prüfung über euch gekommen ist, nicht verwirren, als ob euch etwas Ungewöhnliches zustoße!" (1 Petrus 4,12).

Gerade in Zeiten der Corona-Krise dürften Menschen sich in die Sprechweise des Ersten Petrusbriefes gut einfühlen können, die diese Zeit als "Prüfung" und als "verwirrend" erleben. Auch wenn Bedrängung durch konkret ausmachbare Feinde, durch die man in Isolation oder gar Lebensgefahr gerät, und die Bedrohung durch ein unsichtbares Virus zweierlei sind, werden am Ende wohl doch dieselben Angstmechanismen freigesetzt.

Erst auf der Folie dieses Einleitungsverses fängt der erste Satz der Lesung in seiner ganzen Zumutung richtig an zu sprechen:

"Freut euch!" (Vers 13)

Der für die Lesungsbegrenzung ausgelassene Schluss (Verse 17-19) macht den hohen Druck deutlich, unter dem der Verfasser des Briefes schreibt: Er erwartet das Endgericht, die Wiederkunft Christi zum Gericht, in seinen Tagen:

"Jetzt ist die Zeit, in der das Gericht beim Haus Gottes beginnt" (Vers 17).

Unter diesem "Zeitdruck" stehen wir heutzutage nicht mehr. Aber gerade die Plötzlichkeit des Einbruchs von Corona zeigt, dass jede Zeit ihren eigenen Ernst und ihre eigene grundsätzliche Gefährdung hat. Deshalb gibt es gar keine Zeit zu verplempern. Und deshalb ist das "Jetzt" zu verstehen auf dem Hintergrund der paulinischen Vorlage zu Vers 17:

"Freut euch zu jeder Zeit!" (1 Thessalonicher 5,16).

 

Vers 13: "Freude"

Die kursiv gedruckte Einleitung hat vielleicht schon deutlich gemacht: Der Aufruf zur "Freude" in an sich freudloser Zeit, in der "Christen" allein wegen ihres im Namen erkennbaren Christusbekenntnisses "geschmäht", d. h. gemobbt, isoliert oder gar unter Todesgefahr vor Gericht gestellt werden, ist weder Zynismus noch Weltfremdheit. Es geht auch nicht um gesuchtes Leiden oder irgendeine Form von Opferspiritualität. Die "Freude im Leiden" entsteht aus dem Wissen, mit diesem Leiden aufgehoben zu sein im Todesleiden Jesu, das wiederum eines ist, das verwandelt wurde in strahlendes Leben. Der Gedanke des "Strahlens" verbirgt sich im Wort "Herrlichkeit". Das dahinter stehende hebräische Wort kabôd, griechisch: dóxa, meint unter anderem "Strahlglanz". Vielleicht ist er inspiriert vom Strahlglanz der Sonne, in die der Mensch mit bloßem Auge nicht hineinsehen kann. Die Freude in der augenblicklichen dunklen Zeit, in der der Erste Petrusbrief schreibt, ist entfacht und getragen von der strahlenden göttlichen Zukunft, die auf den Menschen wartet. Wer mit Christus das Leid teilt, darf auch hoffen, mit ihm diese in der Auferweckung eröffnete Zukunft zu teilen. Und sie ist getragen von der Überzeugung, einer "Prüfung" (Vers 12) würdig befunden zu sein.

 

Vers 14: "Herrlichkeit"

Dieser Vers bettet die Aufforderung aus Vers 13 in die gesamte Heilige Schrift ein. Die Seligpreisung erinnert überdeutlich an die Bergpredigt:

"11 Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. 12 Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel. So wurden nämlich schon vor euch die Propheten verfolgt" (Matthäus 5,11-12).

Damit wird der Aufruf zur Freude angesichts eigenen Leidens mit einem Wort Jesu selbst in Verbindung gebracht  (ausschlaggebend ist dabei allein der Wortlaut des Evangeliums, nicht exegetische Erkenntnis über die Entstehung der Bergpredigt). Schon er "beglückwünscht" diejenigen, die seinetwegen geschmäht werden. Denn genau das ist die Bedeutung einer "Seligpreisung": "Herzlichen Glückwunsch, du hast dich für den richtigen Weg entschieden und den falschen gemieden". Die "Richtgkeit" wird in diesem Fall festgemacht am "Lohn im Himmel", der auf die Verfolgten wartet. Von diesem Lohn redet in anderer Sprachgestalt auch 1 Petrus 1,4. Er ist gemeint mit dem "unzerstörbaren, makellosen und unvergänglichen Erbe, das im Himmel für euch aufbewahrt ist". In einem einzigen Wort umschreibt der Autor den Lohn als "Rettung" (1 Petrus 1,9).

Der Bezug zur Seligpreisung aus dem Matthäusevangelium wird erweitert durch einen Rückgriff auf das Alte Testament. Vers 14b spielt nämlich eindeutig auf die griechische Übersetzung (sog. Septuaginta) von Jesaja 11,2 an:

"Der Geist des HERRN ruht auf ihm."

Einer der "verfolgten Propheten" (s. Vers 12 der Seligpreisung), nämlich Jesaja, wird zitiert, der in Kapitel 11 einen Heilsbringer (Messias) in königlicher Gestalt ankündigt. In freier Argumentation deutet 1 Petrus das Leiden als Erweis des Geistbesitzes, den er nun nicht exklusiv für den Messias beansprucht, sondern den Adressaten des Briefes zuspricht. Diese Argumentation ist möglich, weil der Briefschreiber den in Jesaja 11 vor allem mit "Weisheit" verbundenen "Geist" seinerseits mit "Herrlichkeit" verbindet und damit mit dem auferweckten, in den Himmel erhöhten und von dort wiederkehrenden Christus. Das frei in das Zitat eingebaute Stichwort "Herrlichkeit" erweist sich damit als inspiriert von Vers 13: "... denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit [also bei seiner Wiederkunft] voll Freude jubeln". Bei Jesus, der ebenfalls vom "Geist des Herrn" erfüllt war (so halten es alle Perikopen über die Taufe Jesu fest, zuerst Markus 1,10: "Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam."), wurde die Phase des erniedrigenden Leidens durch die Auferweckung in Herrlichkeit  abgelöst. Das haben schon die vom "Geist Christi" erfüllten Propheten (also auf ihn vorausverweisenden Propheten) erkannt, von denen Jesaja einer ist. Diesen komplexen Argumentationszusammenhang hat betreits 1 Petrus 1,10-11 vorbereitet:

"10 Nach dieser Rettung haben die Propheten gesucht und geforscht und sie haben über die Gnade geweissagt, die für euch bestimmt ist. 11 Sie haben nachgeforscht, auf welche Zeit und welche Umstände der in ihnen wirkende Geist Christi hindeute, der die Leiden Christi und die darauf folgende Herrlichkeit im Voraus bezeugte."

 

Vers 15: Ein guter Grund

Alles, was bisher gesagt wurde, gilt aber nur, "sofern der Grund der Schmähungen wirklich das Christsein der Christen ist - und nicht ein sekundärer Skandal, ein Anstoß, den die Christen als vermeintliche Christen geben" (Rudolf Pesch, Die Echtheit eures Glaubens. Biblische Orientierung: 1. Petrusbrief, Freiburg 1980, 98).

 

Vers 16: Kein Grund zu schämen

Auch zu diesem sich aus allem Vorangehenden wie von selbst ergebenden Vers sei noch einmal der Neutestamentler Rudolf Pesch zitiert:

"Wenn sie [die Christen, G. F.] um ihres Christennamens willen leiden, so brauchen sie sich nicht zu schämen, weil die Gesellschaft sie als Außenseiter aburteilt; sie schmücken sich mit solcher Verurteilung aber auch nicht, wie Revolutionäre es tun, weil sie Bestätigung für ihr Tun brauchen. Das Bekenntnis zum Christennamen dient der Verherrlichung Gottes, dem die Christen ihre Christenexistenz verdanken. Wer als Christ leidet, bedarf nicht des Selbstmitleides, er bliebe mit seinem wahren Anliegen unverstanden, er werde ungerecht behandelt usw., denn der Christ stellt sich im Leiden unter das läuternde Gericht Gottes - als Zeuge Seiner Wahrheit" (Pesch, Echtheit, 99).

 

Auslegung

"Freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt!" (Vers 13)

Um welches Leiden geht es eigentlich im Ersten Petrusbrief? Vor welcher konkreten Herausforderung stehen die Christen, an die sich der Erste Petrusbrief wendet? Zur Debatte steht die Not, dass Menschen sich soweit wie nur irgend möglich mit ihrem Verhalten in die Gesellschaft integrieren, und trotzdem "Fremde" bleiben, weil sie Staat und Religion strikt auseinanderhalten. Sie sind bereit, "dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist" (Matthäus 22,21) bzw. im Fall der Sklaven, dem römischen Dienstherrn zu geben, was ihm gebührt (vgl. auch 1 Petrus 2,13-14: "13 Unterwerft euch um des Herrn willen jeder menschlichen Ordnung: dem Kaiser, weil er über allen steht, 14 den Statthaltern, weil sie von ihm entsandt sind, um die zu bestrafen, die Böses tun, und die auszuzeichnen, die Gutes tun!"). Aber sie widersprechen der Totalidentifikation, der Kaiser sei Gott. Ja, sie widersprechen jeglichem Anspruch eines Menschen, den Platz Gottes einzunehmen. Christen glauben, dass sie ihr Dasein Gott, dem "Schöpfer des Himmels und der Erde" (Glaubensbekenntnis) verdanken, und dass das Ziel ihres Lebens nicht der Tod, sondern die Vollendung zur ewigen Lebensgemeinschaft mit Gott ist. Diese Zielbestimmung ist in der Auferweckung Jesu sichtbar geworden. Beides, Schöpfungs- wie Auferweckungsglaube, schließt ein Bekenntnis zum Kaiser als Gott aus. Er repräsentiert weltliche Macht, aber keine über die Welt hinausragende schöpferische Macht. Gott und Kaiser, Staat und Glaube miteinander zu identifizieren wäre damit für den Christen Selbstaufgabe. Wo diese gefordert wird, endet für den Glaubenden jede Möglichkeit der Integration.

Wenn er deshalb diese Grenze nicht überschreitet und an seinem Bekenntnis festhält, kann er nur auf Respekt hoffen oder muss die Nachteile aushalten. Weil aber der Glaubensinhalt (Schöpfung und Auferweckung, Befreiung von der Angst, aufgrund eigener Schwäche ["Sünde"] im Gericht Gottes unterzugehen) ein prinzipiell freudiger ist, sollte, wenn irgendmöglich, diese Freude auch in der Situation tatsächlichen Leidens nicht verloren gehen. In diesem Punkt entspricht der Erste Petrusbrief ganz der Auffassung des Paulus. In seinem von zahlreichen Bedrängnissen erfüllten Missionsleben, das körperliche Qualen wie auch Gefängnisaufenthalte mit unsicherem Ausgang einschloss, hält er von Anfang an der Maxime fest:

"Freut euch zu jeder Zeit!" (1 Thessalonicher 5,16; vgl. Philipper 2,18.28; 3,1; 4,4).

Diese "Freude" ist nicht Karneval, erst recht nicht Klamauk, sondern eine innere Haltung tiefen Vertrauens, auch im schlimmsten Ärger, den die anderen einem bereiten, nicht endgültig unterzugehen. Solche Freude, die sich in Gelassenheit und Respekt dem Gegner gegenüber äußert, gibt nach innen Stärke und Würde, irritiert aber nach außen. Sie ist eine Waffe, die den Gegner seiner angeblichen Macht entzaubert.

In der Stärke der Schwäche, dem freudigen Ertragen der Bedrängnis, liegt für die Ankläger und Mobber ebenso eine Provokation wie im Glauben selbst. In einem Staat wie Rom, der auf Macht (Kaisertum) und Stärke (im kriegerischen Sinn genauso wie im hoch geschätzten sportlichen Wettkampf) setzte, muss der Glaube an einen Gott, dessen Heilsweg über die Solidarität mit den Leidenden und den Hindurchgang durch den Tod (das ist das Thema in 1 Petr 3,19-23!) führt, ein Dorn im Auge und eine Infragestellung der eigenen Maximen sein. Der unter "Kontext" am 6. Sonntag zitierte römische Rechtsanwalt und Senator Plinius bringt es auf den Punkt: "Wüster Aberglaube!" Die von Plinius betriebene Bekämpfung zeigt ein Zusammenspiel von Angst und Wut. Ihr genaues Gegenteil ist die Freude, zu der 1 Petrus auffordert!

Sie sieht den Angriff auf den eigenen Glauben als "Prüfung" (Vers 12), jedoch weniger im Sinne der Qual denn als Möglichkeit, die Echtheit und Tragfähigkeit dieses Glaubens zu erweisen, der "herrliche" Aussichten bietet: ein ungestörtes, von jeglicher Qual befreitetes Dasein im Angesicht des Gottes, dem auch der Tod keine Grenze setzt. Dagegen verblassen alle vorläufigen und begrenzten, wenn auch u. U. furchtbare Schmerzen bereitende Machtmöglichkeiten irdischer Herrscher und ihrer Vollstrecker. Vielleicht empfinden manche diese "Offenbarung der Herrlichkeit" als reine Vertröstung. Für den Verfasser des Ersten Petrusbriefes wirkt sie machtvoll aus der erhofften Zukunft in die jeweilige Gegenwart hinein und entfaltet auch in der Bedrängnis eine gelassene Grundgestimmtheit, genannt: "Freude".

Kunst etc.

Christus als Schmerzensmann, Laurentiuskirche in Pegau, ausgestellt: Schlossbergmuseum Chemnitz, Photo: Andreas Praefcke (2010) Wikimedia Commons, gemeinfrei
Christus als Schmerzensmann, Laurentiuskirche in Pegau, ausgestellt: Schlossbergmuseum Chemnitz, Photo: Andreas Praefcke (2010) Wikimedia Commons, gemeinfrei

Der Schmerzensmann ist ein eigenes Andachtsbild, das nicht den Gekreuzigten, aber auch nicht den von Pilatus vorgeführten Dornengekrönten ("Ecce homo") oder den im Schoß seiner Mutter ruhenden Leichnam Jesu zeigt. Es ist eine frei stehende Christusfigur mit Dornenkrone, Kreuzes- und Seitenwunden, aber ohne Kreuz. In dieser Darstellung findet das Leiden Christi seinen konzentrierten Ausdruck. Zu ihm soll gemäß mittelalterlicher Frömmigkeit die Betrachterin bzw. der Betrachter eine innere Beziehung aufbauen. Hervorgegangen ist diese Christusdarstellung aus einem im Sarkophag aufrecht stehenden, halbfigurigen Christus. So sind besonders am Anfang Leid und Sieg über den Tod gleichermaßen miteinander verbunden. Die fortschreitende Zeit legte den Schwerpunkt mehr auf das Leiden.

Was die christliche Kunst in Bild und Skulptur versucht hat, das unternimmt der Erste Petrusbrief in Worten, wenn er immer wieder den leidenden und den Tod überwindenden Christus vor Augen stellt:

  • in 1 Petrus 1,3-9 werden die Kürze des Leids und die durch Christi Leid erworbene "Rettung" gegenübergestellt;
  • in 1 Petrus 2,18-25 wird eher an das Vorbild Jesu im Ertragen ungerechten Leids erinnert, allerdings auch "unsere Heilung durch seine Wunden";
  • 1 Petrus 3,18-22 betont das Leiden (die Einheitsübersetzung schreibt in Vers 18 "sterben" statt "leiden") des einen Gerechten (Christus) zugunsten der Ungerechten, womit besondes auf die "Ungerechtigkeit" der Adressaten als prägendes Verhalten ihrer Zeit vor der Bekehrung zum Christentum angespielt wird (vgl. dazu 1 Petrus 1,14:  "Als Kinder des Gehorsams gebt euch nicht den Begierden hin, wie früher in eurer Unwissenheit!"; 1,18 spricht abschätzig von der "von den Vätern ererbten Lebensweise");
  • 1 Petrus 4,1-6 argumentiert damit, dass das "Leiden im Fleisch" der Sünde ein Ende setzt; gemeint ist hier wohl, dass Leiden als Nachahmung Christi verstanden werden soll, der wiederum mit seinem Leiden der Herrschaft von Welt und Fleisch ein Ende gesetzt und dem (Liebes-)"Willen Gottes" vollständigen Raum gegeben hat;
  • 1 Petrus 4,12-19 schließlich - der Absatz, aus dem die heutige Lesung genommen ist - macht eine gewaltige Relativierung: Wer im Aushalten eigener Bedrängnis erkennen kann, wie nah er gerade in diesem Augenblick dem leidenden Christus ist, wird auch dem auferweckten, verherrlichten und im Gericht die Seinen mit offenen Armen empfangenden Christus nahe sein. Das Leiden ist die nicht auszulassende oder zu überspringnende, aber eben nicht letzte und endgültige Stufe menschlichen Daseins. Sie ist vielmehr "Rettung" und "Herrlichkeit", das Ende jeglichen Leids, dem auch Gott selbst in seinem Sohn nicht ausgewichen ist.