Lesejahr B: 2023/2024

2. Lesung (Eph 2,4-10)

4-5Gott aber, der reich ist an Erbarmen, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus lebendig gemacht.

Aus Gnade seid ihr gerettet.

6Er hat uns mit Christus Jesus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz in den himmlischen Bereichen gegeben,

7um in den kommenden Zeiten den überfließenden Reichtum seiner Gnade zu zeigen, in Güte an uns durch Christus Jesus.



8Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft

- Gott hat es geschenkt -,

9nicht aus Werken, damit keiner sich rühmen kann.

10Denn seine Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus zu guten Werken erschaffen, die Gott für uns im Voraus bestimmt hat, damit wir mit ihnen unser Leben gestalten.

Überblick

Biblisch ist Rettung kein abgeschlossenes Geschehen, sondern die Einladung, sich handelnd auf sie einzulassen: Wenn der persische König Kyrus in der Ersten Lesung einen Tempelneubau in Jerusalem ermöglicht, bedarf es der Menschen, die nach Jerusalem ziehen - erst zum Bau, dann zur Anbetung. Wenn der Mensch in der Taufe laut Epheserbrief auch auf die bereits in Tod und Auferweckung Jesu erfolgte Rettung "zurückblicken" darf, bleibt die Aufgabe, aus ihr immer neu das Leben zu gestalten. Und wenn das Johannesevangelium schließlich dasselbe Rettungsgeschehen (Kreuz und Auferstehung) mit dem Bildwort der "Erhöhung Christi" umschreibt, bleibt die Aufforderung, zu glauben.

 

Einordnung der Lesung in den Epheserbrief

Der unbekannte Verfasser des Epheserbriefes, der ca. 2 Jahrzehnte nach Paulus  schreibt und dabei sich ganz hinter dessen großem Vorbild und Namen verbirgt, bietet anspruchsvolle Kost.

Inhaltlich liegt es daran, dass er nicht nur die paulinische Theologie aufgreift, sondern auch noch die spezielle Theologie des ebenfalls nicht paulinischen Kolosserbriefs und dessen Auseinandersetzung mit den Einflüssen kosmischer Mächte berücksichtigt. Außerdem blickt der Epheserbrief nicht mehr auf eine Einzelgemeinde, sondern hat die sich seit Paulus aus vielen Gemeinden zusammensetzende Kirche im Blick, deren Einheit durch die beiden verschiedenen christlichen Herkunftsgruppen Judenchristen und Heidenchristen gefährdet ist. Sie trotz aller Unterschiedlichkeit als wirkliche Einheit zu verstehen, wobei keine der beiden Gruppen Grund zur Einbildung hätte, vor Gott besser dazustehen, ist gerade im zweiten Kapitel des Epheserbriefs dem Schreiber ein wichtiges Anliegen. Schließlich hat dieser Autor noch die stilistische Eigenart, soviel wie möglich an theologischen Aussagen in einen einzigen Satz zu packen. Je nach Position kann man von hoher Komplexität oder von Überfüllung sprechen.

 

Der Aufbau der Lesung

Formal erkennt man die zuletzt genannte Beobachtung schon daran, dass dem Lesungsabschnitt (Epheser 2,4-10) im griechischen Text mit den Versen 2,1-3 ein plötzlich abbrechender "Riesensatz" vorangestellt ist1 (sog. Anakoluth), der die Negativfolie darstellt, von der sich die Lesungsverse, die also eigentlich keinen ganz selbstständigen Satzanfang haben, lichtvoll abheben. Diese bilden - wiederum im griechischen Original - einen Langsatz (Verse 4-7) und 2 kleinteiligere Sätze (Verse 8-9.10):

Verse 4-7 sprechen von Gottes Handeln an "uns": er hat uns "mit Christus lebendig gemacht", "auferweckt" und "in die Himmel versetzt" (durchgängiges Subjekt ist Gott). Dieser Hauptsatz geht im "Gewirr" der ganzen zusätzlichen Aussagen, die Gottes Handeln näher charakterisieren (Verse 4-5: "reich an Erbarmen", "liebevoll zu den Sündern") und (in Vers 7: "um ... zu"-Satz) durch eine "Zweckangabe" begründen.

Verse 8-10 deuten dieses Handeln an "uns" als "Rettung", die ausschließlich als Gottes "Geschenk" zu verstehen ist, aber "uns" als Beschenkte zu "guten Werken" herausfordert (durchgängiges Subjekt sind "ihr" bzw. "wir", also die Briefadressaten).

Um es noch komplizierter zu machen, gibt es auch noch dem Autor wichtige Satzeinschübe:

- innerhalb von Vers 5: "aus Gnade seid ihr gerettet"

- am Ende von Vers 8: "Gott hat es geschenkt".

Zusammen mit dem Beginn von Vers 8 ("Denn aus Gnade seid ihr ... gerettet") markieren diese beiden kleinen Einschübe offen-sichtlich die Zentralaussage des ganzen Abschnitts:

"Gott hat uns geschenkweise gerettet".

Wenn dieser eine Gedanke auf so kurzer Textstrecke dreimal ausdrücklich benannt wird, scheint er alles andere als selbstverständlich zu sein. Tatsächlich kommt es auf jedes der drei kursiv geschriebenen Worte an und jedes ist im Kontext des Epheserbriefes erklärungsbedürftig.

 

Lesehinweis: Diese grundsätzlichen Erklärungen folgen jetzt, während ausnahmsweise der Vers-für-Vers-Durchgang unter  "Auslegung" zu finden ist.

 

Ein Leitfaden durch die Lesung

"Gott"

Gott als handelnde und alles bestimmende Macht stellt der Briefschreiber vor allem im Blick auf die Christinnen und Christen heraus, die vor ihrer Bekehrung zum Christentum dem griechisch-römischen Kulturkreis und damit auch den entsprechenden religiösen Vorstellungen angehörten. Den Christinnen und Christen mit jüdischen Wurzeln, die natürlich und schon immer an den einen Gott Israels glaubten, musste in dieser Hinsicht nichts erklärt werden. Aber die Wirklichkeit der sog. Heidenchristen war - so sieht es jedenfalls der Epheserbrief - bestimmt von "der Herrschaft jenes Geistes, der im Bereich der Lüfte regiert und jetzt noch in den Ungehorsamen wirksam ist" (Epheser 2,2). Diese Haltung wird außerdem charakterisiert als "wie es der Art dieser Welt entspricht" (ebenfalls Vers 2). Vorausgesetzt ist dabei eine Sichtweise, die wir aus den griechischen Mysterienreligionen kennen: Die "Welt" (griechisch: aiōn) wird hier verstanden als "einheitlicher, personartiger begegnender Ewigkeitsgott" (Heinrich Schlier, Der Brief an die Epheser, Düsseldorf 51965, S. 102). Als solcher übt er eine "geistig" zu nennende Macht aus über die Sphäre der "Lüfte", die bereits vom Kolosserbrief (s. o.) kritisch als Sphäre der "Finsternis" beurteilt wird (vgl. Kolosser 1,13: "Er [Gott] hat uns der Macht der Finsternis entrissen ..."; Epheser 6,12: "Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen Mächte und Gewalten, gegen die Weltherrscher dieser Finsternis, gegen die bösen Geister in den himmlischen Bereichen."). 

M. a. W.: Nicht der griechische "Weltgott" aiōn, dem die Heidenchristen vor ihrer Taufe anhingen und dem diejenigen Zeitgenossen, die nicht zum christetum gefunden haben, immer noch anhängen, kann mit dem Gedanken der Rettung verbunden werden, sondern allein der Gott, der sich in der Auferweckung Jesu Chrsti als Retter erwiesen hat.

 

"uns"

Auch in dem unscheinbaren Wörtchen "uns" steckt Sprengstoff, denn es bindet auf einmal die heiden- und judenchristlichen Adressaten des Briefs zusammen. Das überrascht, da doch die Judenchristinnen und -christen bereits vor ihrer Hinkehr zum Christentum an den einen Gott geglaubt haben und sehr wohl mit ihm auch den Gedanken der Rettung verbunden haben. Dies ist geradezu ein Grundbekenntnis des Alten Testaments. Doch dieser scheinbare "Vorzug" gegenüber den Heiden verliert sich angesichts der Tatsache, dass auch jüdische Menschen - wie eben alle Menschen - von der "Natur" (griechisch: phýsis) bestimmt sind: "Unter ihnen haben auch wir alle einmal unser Leben geführt, als wir noch von den Begierden unseres Fleisches beherrscht wurden. Wir folgten dem, was das Fleisch und der böse Sinn uns eingaben, und waren von Natur aus Kinder des Zorns wie auch die anderen" (Epheser 2,3). "Wir alle" meint die jetzt Getauften, egal ob sie vormals Heiden oder Juden waren. Der Epheserbrief übernimmt damit die Anthropologie (Sicht vom Menschen) des Paulus, der "Sündhaftigkeit", letztlich die vorrangige Gebundenheit an sich selbst und das eigene Ego, in der zur Schwäche neigenden Natur des Fleisches begründet sieht. Was vielleicht als negative Sicht vom Menschen heutzutage befremdet und irritiert, korrespondiert gerade in der gegenwärtigen Zeit mit realen Erfahrungen. Wieviele Menschen sind nicht Frau oder Herr des kurzen Zwischenraums zwischen "Reiz" und "Reaktion" und reagieren auf Menschen anderer Herkunft als sie selbst oder anderer Zugehörigkeit, auf Einschränkungen oder auf Phänomene , die sie sexuell erregen, mit Gewalt, Gebrüll, Aggression, Hass oder einfach Kurzschlusshandlungen.Tief innewohnende Angst und Verunsicherung, Sorge um Benachteiligung und Verlust und damit letztlich der gefühlte Angriff auf das eigene Ego durch wen auch immer sind handlungsleitend und nicht die Frage nach Angemessenheit, Einbeziehung des Lebenswunsches und Lebensrechts auch des Gegenüber usw. 

Aus dieser "Falle" herauszufinden, die in allem zum Gegenteil dessen (ver)führt, was die Hl. Schrift insgesamt, Paulus und der Epheserbrief insbesondere mit Gott verbinden, hat Gott sich auf den tödlichen Kreislauf eingelassen (Kreuzestod), um ihn von innen her zu überwinden (Auferweckung des schuldlos getöteten Christus) und damit denen, die das glauben können und sich mit der Taufe zu diesem Glauben bekennen, eine Rettungsperspektive eröffnet.

 

"gerettet"

Für den Epheserbrief verbindet die Taufe den Menschen derart eng mit dem auferweckten und in den Himmel aufgenommenen Christus, dass sie geradezu  selbst als "Auferweckung" und "Versetzung in den Himmel" aufgefasst werden kann - eine in dieser Zuspitzung innerhalb des Neuen Testaments einmalige und geradezu enthusiastische Formulierung. Sie versteht sich als Gegenpol zum Aufgeliefertsein an die  "Mächte der Finsternis" und macht deutlich, dass Taufe wirklich als Existenzwechsel zu verstehen ist: Der Mensch lebt nicht mehr aus sich selbst und seinen begrenzten Möglichkeiten, sondern aus den je größeren Möglichkeiten Gottes.

Allerdings verfällt der Epheserbrief nicht magischen Vorstellungen, als handle es sich um Automatismen. Die gottgeschenkte Eröffnung des Lebensraums mit todüberschreitender Hoffnungsperspektve will angenommen und mit Leben gefüllt werden. Denn wenn auch schon alle notwendigen Voraussetzungen göttlicherseits getroffen sind - das meint die Aussage, dass wir in der Taufe mit Christus auferweckt und in den Himmel versetzt sind -, so leben wir faktisch doch auf Erden und haben die Auferweckung (und zuvor den Tod) noch vor uns. Bis dahin gilt es, den "Türöffner" Christus, wenn man so will: das fleischgewordene "gute Werk" Gottes, in eigenen guten Werken nachzuahmen. Darin sieht der Epheserautor geradezu die Bestimmung des Menschen von allem Anfang an, was aber nicht bedeutet, dass ein Mensch diese seine Bestimmung nicht auch verfehlen kann. Aber auch dann bleibt dem Menschen immer noch die Möglichkeit, der größeren "Liebe" und dem reicheren "Erbarmen" Gottes zu trauen, von dem die Verse 4-5 sprechen.

1

Auslegung

"reich an Erbarmen" (Verse 4-5)

Anders als die heute oft gebräuchliche Rede vom "lieben Gott" kennt die Bibel zwei Seiten Gottes. Der "unangenehmen", mit Strafe und (gerechtem!) Gericht verbundenen Seite wird der emotional hoch aufgeladene Begriff "Zorn" zugeordnet (vgl. Epheser 2,3: "Kinder des Zorns"), zur (großzügig) vergebenden und dem Menschen sich hilfreich und rettend zuwendenden Seite gehören die ebenso emotionalen Begriffe "Erbarmen" und "Liebe".

Beide Seiten stellt sich die Heilige Schrift nicht gleich stark vor, sondern die Liebe ist die weitaus stärkere Seite in Gott. Davon weiß schon das Alte Testament: "Denn ich bin Gott, nicht ein Mensch, der Heilige in deiner Mitte. Darum komme ich nicht in der Hitze des Zorns" (Hos 11,9b). Dies ist aber erst recht die Botschaft des Neuen Testaments, das Jesus Christus als Zeugen dieser überbordenden Seite der Zuwendung Gottes verkündet. Er erweist die Menschen nicht als "Kinder des [Gerichts-]Zorns Gottes" (Vers 3), der zulässt, dass sie sich wie in einem Hamsterrad auf ihrem Ego-Trip totlaufen ("die wir infolge unserer Sünden tot waren"), sondern als "Geliebte" ("in seiner großen Liebe") und zum Leben Bestimmte ("lebendig gemacht"), Diese Zuwendung Gottes gründet nicht in irgendeinem "Verdienst" oder einer Leistung der Menschheit, sondern ist ein freier Selbstentschluss Gottes ("aus Gnade"; Vers 8: "Gott hat es geschenkt") bzw. Ausdruck seines Wesens (Gott "ist reich an Erbarmen"). Noch in der Ersten Lesung vom Aschermittwoch konnte man hören: "Denn er [Gott] ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Huld und es reut ihn das Unheil" (Joël 2,13) 

 

"den kommenden Zeiten" (Verse 6-7)

Diese beiden Verse stellen das "Rettungsgeschehen" in einen zeitumspannenden Horizont: Es hat in der Vergangenheit begonnen, nämlich mit der Auferweckung Jesu aus dem Tode, wirkt sich aber durch die "Zeiten" hindurch aus wie ein Stein, der ins Wasser geworfen immer weitere Kreise zieht. Die Generation, die der Schreiber des Epheserbriefs vor sich hat, ist nicht so etwas wie eine Rettungsinsel, sondern an ihr, die aus den Quellen des "Himmels" lebt, soll sichbar werden, was allen künftigen Generationen gilt. Allgemeiner gefasst: Das wäre das Ideal, dass zu jeder Zeit an der Kirche als Gemeinschaft der sich mit Christus im Himmel verbunden wissenden Glaubenden für alle Welt die "Güte" Gottes ablesbar ist. So könnte eine Ansteckungsbewegung zur weltweiten "Einheit in Christus" entstehen, von der das Zweite Vatikanische Konzil sagt: "Die gegenwärtigen Zeitverhältnisse geben dieser Aufgabe der Kirche eine besondere Dringlichkeit" (Lumen gentium 1). Das war 1964! Die Aufgabe hat sich wahrlich nicht erledigt und somit bleibt auch der Epheserbrief aktuell.

 

"damit keiner sich rühmen kann" (Verse 8-9)

Eine ganz allein in Gott gründende Rettung hat aus menschlicher Sicht den "Nachteil", dass der Mensch nichts hat, worauf er sich etwas einbilden kann. Genau das aber gehört auch zur menschlichen Natur, dass sie gerne auf eigene Erfolge verweist und sich damit gegenüber derjenigen bzw. demjenigen brüstet, die weniger aufzuweisen haben. Eben dieser letztlich wieder nur dem eigenen Ego dienenden Haltung ist schon Paulus in die Parade gefahren: "Wo bleibt da noch das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das der Werke? Nein, durch das Gesetz des Glaubens" (Römer 3,27). Und der Epheserbrief sekundiert ihm ("damit keiner sich rühmen kann") genauso wie etwa auch der vielleicht ungefähr zeitgleiche Jakobusbrief: "Nun aber rühmt ihr euch voll Übermut. Solches Rühmen ist schlecht" (Jakobus 4,16).

 

"zu guten Werken erschaffen" (Vers 10)

Der letzte Vers ist von der die ganze Lesung begleitenden Tauftheologie bestimmt. Schon Paulus hat die mit der Taufe verliehene, sozusagen "im Himmel" bei Christus verankerte neue Existenzweise - im Hintergrund steht ausschließlich die Erfahrung der Taufe Erwachsener, die vorher ein nicht-christliches Leben geführt haben - als "Neuschöpfung" verstanden:

"Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden" (2 Korinther 5,17).

Daran knüpft der Epheserbrief mit der Formulierung "Denn seine Geschöpfe sind wir ..." an. Doch so wie ein Neugeborenes zwar  "Neuschöpfung", aber kein fertiges, sondern auf Wachstum und Entwicklung angelegtes Wesen ist, so ist auch die bzw. der Getaufte darauf angelegt, das vor ihnen liegende Leben zu "gestalten". Das entsprechende griechische Wort peripateō heißt eigentlich "durchschreiten". Es geht also darum, das neu verliehene Leben auszuschreiten und mit Schritten zu durchmessen, deren Ziel "gute Werke" sind. Das ist die eigentliche Bestimmung des Menschen, die der Verfasser des Epheserbriefs bereits als Urabsicht Gottes vor aller Schöpfung ausmacht:

"Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor ihm" (Epheser 1,4).

 

Kunst etc.

Wikimedia Commons: Stollenschrank
Wikimedia Commons: Stollenschrank "Hoff nur auf Gottes Güte" (1774), Foto: Ute Franz-Scarciglia/3.9.2013

Inschriften über den Türen alter Fachwerkhäuser findet man sehr häufig. Seltener ist schon ein solches Prachtexemplar von Schrank, dessen Ersteller oder Auftraggeber die Theologie des heutigen Lesungsabschnitts aus dem Epheserbrief aufgesogen zu haben scheint:

"Hoff nur auf Gottes Güte. Die bringt dir Segen mitte. In Jahr Christy Anno 1774" verteilt sich als Zuspruch über die vier Sichtfelder der  beiden Türen des Stollenschranks (ein solcher steht auf den zu Füßen ["Stollen] verlängerten Eckpfosten), der ursprünglich in  Großhennersdorf bei Herrnhut/Oberlausitz (vermutlich im Schloss oder einem zugehörigen Anwesen) aufgestellt war. Darüber heißt es: "Jesus ist unser Seegen, weil alles an seiner Genade gelegen".

Damit erinnert der Schrank zunächst diejenigen, die ihn ursprünglich nutzten, sodann aber auch diejenigen, die ihn bis heute im Museum Europäischer Kulturen (Berlin)  betrachten können, an das, was der Epheserbrief als Auftrag mitgibt:

"... um in den kommenden Zeiten den überfließenden Reichtum seiner Gnade zu zeigen, in Güte an uns durch Christus Jesus" (Vers 7 der heutigen Lesung).