Lesejahr B: 2023/2024

1. Lesung (Jes 52,7-10)

7Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt, der zu Zion sagt:

Dein Gott ist König.

8Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln. Denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der Herr nach Zion zurückkehrt.

9Brecht in Jubel aus, jauchzt alle zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! Denn der Herr tröstet sein Volk, er hat Jerusalem erlöst.10Der Herr hat seinen heiligen Arm vor den Augen aller Nationen entblößt und alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehem.

Überblick

Aus Ruinen erstanden als Machterweis für Israel und die gesamte Welt: Jerusalem ist im Buch Jesaja der Ort, in dem sich das Schicksal des exilierten Gottesvolkes wandelt, weil Gott als König zu seiner zerstörten Stadt zurückkehrt.

 

1. Verortung im Buch

In Jesaja 51,9 wird Gott zum Handeln zugunsten seines Volkes aufgerufen: „Wach auf, wach auf, bekleide dich mit Macht, Arm des HERRN!“ Nun hat Gott gehandelt und der Prophet kann der Gottesstadt zurufen: „Wach auf, wach auf, bekleide dich mit deiner Macht, Zion!“ (Jesaja 52,1). Der göttliche König kehrt zurück in die Stadt, in der sein Thron steht. Sie soll ihre Festgewänder anlegen und als geschmückte Braut den siegreich heimkehrenden König empfangen. Eine frühere Diskussion im Buch aufnehmend wird betont, dass er sein Volk nicht freigehandelt oder -gekauft hat (Jesaja 43,3-4), sondern das Volk und alle Welt sollen sehen, dass er als mächtiger Sieger zurückkehrt (Jesaja 52,7-10). Seine Rückkehr soll das durch das Exil verstreute Gottesvolk ermutigen ebenso nach Jerusalem zurückzukehren (Jesaja 52,11-12).

 

2. Aufbau

Der Prophet spricht die Gottesstadt Zion/Jerusalem und somit ihre Bewohner an und verkündet: „Dein Gott ist König“ (Vers 7) und „alle Enden der Erde werden das Heil unseres Gottes sehen“ (Vers 10). Seine Freudenbotschaft ist zweigeteilt: Verse 7-8 beschreiben das Verhältnis von Zion als Frau zu ihrem zurückkehrenden König; Verse 9-10 beschreiben die sichtbare Tröstung und Wiederherstellung Jerusalem in ihrer Wirkung auf die Völkerwelt. Beide Teile enden damit, dass die Macht Gottes sichtbar wird („sehen“). 

 

3. Erklärung einzelner Verse

Vers 7: Nicht der Freudenbote steht im Zentrum der Aussage, sondern seine Füße und seine Botschaft: Die Betonung seiner Schritte als Signal verweisen auf die Schnelligkeit, mit der sich seine Kunde für die Stadt Zion verbreitet: „Dein Gott ist König“. Gott war auch schon früher der eigentliche König seines Volkes, aber nun nachdem er Friede und Rettung wiederhergestellt hat, ist sein Königtum heilvoll für Zion von ihm reaktiviert worden. 

Vers 8: Aus der gehörten frohen Kunde wird zum Sehen „mit eigenen Augen“. Die Späher bejubeln die Rückkehr JHWHs zum Zion. Häufig werden im Alten Testament Propheten als Späher bezeichnet, die wie ein Frühwarnsystem gesellschaftliche Veränderungen wahrnehmen.  

Vers 9: Zusammen mit den Spähern sollen die Trümmer Jerusalems jubeln. Ihr Jubel verheißt eine neue Zukunft, in der sie wiederaufgerichtet werden. Dass mit Jerusalem hier nicht nur die Mauern, die alten Steine, gemeint sind, sondern die Bevölkerung, wird an dem verwendeten Worten deutlich. Personen, nicht Ruinen werden im alttestamentlichen Sprachgebrauch erlöst und getröstet. Diese beiden zentralen Handlungen Gottes in der Welt, das Trösten und Erlösen, stehen im gesamten Alten Testament nur an dieser Stelle im selben Vers. 

Vers 10: Im Buch Jesaja sind die anderen Völker ebenso Adressaten des Heilshandeln Gottes an seiner Stadt. Sie sind keine bloßen Statisten, sondern sie werden fasziniert sein von seiner sichtbaren Macht. 

Auslegung

Die Freudenbotschaft lautet: „Dein Gott ist König“. Das bedeutet, er kehrt zurück auf seinen Thron in Jerusalem und wird wieder inmitten seines Volkes herrschen. Der Prophet geht nicht davon aus, dass Gott seine Königsmacht verloren hätte, aber in seiner Allmacht entscheidet er darüber, wann er sie ausübt. In dem damaligen geschichtlichen Kontext bedeutete dies seine Rückkehr in das durch die Babylonier in Schutt und Asche gelegte Jerusalem. Aus den Ruinen soll ein Heilszeichen nicht nur für Israel entstehen - das Volk kann sich über seine Rückkehr freuen -, sondern dies wird zum Machterweis gegenüber der gesamten Welt. „Fort, fort! Zieht aus von dort!“ (Jesaja 52,11) bedeutet daran anschließend, dass das Gottesvolk wieder in Jerusalem beheimatet ist und im Windschatten ihres Gottes dahin zurückkehren kann. Jerusalem wird wieder eine sichere und heilige Stadt, die von „Unbeschnittenen und Unreinen“ nicht mehr betreten werden darf (Jesaja 52,1), weil Gott wieder in ihrer Mitte thront. 

Kunst etc.

Jerusalem wurde auch nach den Worten des Propheten noch häufig zerstört. Bis heute verweisen die archäologisch wieder ausgegrabenen Ruinen vergangener Zeiten auf die wechselvolle Geschichte dieser Stadt. Aber bis heute hängen an dieser zertrümmerten Vergangenheit die Hoffnung auf Gottes Königtum. Pilger und Touristen können zum Beispiel in den Ausgrabungen der Davidsstadt (südlich der Jerusalemer Altstadt) die Anfänge dieses Hoffnungsortes sehen. Die Deutung der Funde ist durchaus umstritten. So könnte diese Stufen-Struktur vielleicht eine Stützmauer eines königlichen Palastes vor dem babylonischen Exil und der Zerstörung der Stadt gewesen sein.

"10th century Stepped-Stone Structure and 7th century Houses", fotografiert von Ian Scott - Lizenz: CC BY-SA 2.0.