• Politik // Wirtschaft

Option für die Armen

Gedanken zum Welttag der Armen

Am vergangenen Sonntag, dem 18. November, wurde der 2. Welttag der Armen „gefeiert“. 2016, am Ende des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit, hatte Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben Misericodria et Misera diesen Tag eingeführt, „der den Gemeinden und jedem Getauften hilft, darüber nachzudenken, wie die Armut ein Herzensanliegen des Evangeliums ist und dass es keine Gerechtigkeit noch sozialen Frieden geben kann, solange Lazarus vor der Tür unseres Hauses liegt (vgl. Lukas 16,19-21)“. In seiner diesjährigen Predigt wählte Papst Franziskus drastische Worte: „Der Schrei der Armen wird jeden Tag lauter, aber er wird jeden Tag weniger gehört – übertönt vom Lärm einiger weniger Reicher, die immer weniger und immer reicher werden.“ Das menschliche Nicht-Erhören endet auf der falschen Seite!

SIE RUFEN UND GOTT ERHÖRT

Am Anfang des Weges Israels als Volk Gottes steht der klagende Ruf, den Gott nicht überhört hat. Unterdrückt im Sklavenhaus Ägypten schrien sie Ihr Leid zu Gott und er hörte sie nicht nur, sondern er machte sie zu seinem auserwählten Volk:

"Der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne sein Leid." (Exodus 3,7)

Seine Antwort ist weltverändernd. Er befreit, bestraft, tötet, versorgt. Aus der lauten Klage entsteht eine neue Welt. Gott ist parteiisch und Frömmigkeit ist nicht das einzige Kriterium. In den Psalmen wird immer und immer wieder deutlich: Gott steht auf der Seite der Armen. Sein Beweggrund ist die Option für die Armen. Ihr Leid verstummt nicht vor ihm. Er marginalisiert nicht; er beachtet. So bekennt die Kirche im Gebet der Psalmen:

"Denn er hat nicht verachtet, nicht verabscheut des Elenden Elend. Er hat sein Angesicht nicht verborgen vor ihm; er hat gehört, als er zu ihm schrie." (Psalm 22,25)

Nicht die Verwaltung der Armut ist das Anliegen Gottes, sondern die Errettung der Menschen aus ihrem Elend. Dies ist eine Glaubenswahrheit, die die Kirche in den Psalmen meditiert:

"Da rief ein Armer und der HERR erhörte ihn und half ihm aus all seinen Nöten." (Psalm 34,7)

Dieses Geheimnis des Glaubens lässt sich nicht auf einen Tag im Jahr verschieben, sondern es prägt christliche Existenz. Gott errettet den Armen – aber vor wem? Wer die Armen sind, ist nicht übersehbar.

GLAUBENSBEKENNTNIS

Es wird Zeit, dass in den geheizten Kirchenräumen, vor dem goldenen Kelch des Blutes bekannt wird, dass wir an den Gott, den Vater, den Allmächtigen glauben, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der den Schrei der Armen erhört! Es wird Zeit mit Gott parteiisch zu sein!